„Ich bin zu hübsch für Mathe“

„Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » So 21. Okt 2012, 17:21

Diesen Satz sah ich neulich auf dem T-Shirt eines Mädchens. Wenn er gestimmt hätte, wäre sie allerdings grottenschlecht in Mathe gewesen. Aber (sexistischen, sorry!) Spaß beiseite:

Stimmt es, dass Mädchen für Mathematik weniger begabt sind als Jungs?
Wenn ja: warum?
Wenn nein: woher kommt dieses Vorurteil? (das viele Frauen schon total verinnerlicht haben)

Und im „ja“- und „nein“-Fall: was können wir dagegen tun?
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon xander1 » So 21. Okt 2012, 17:30

Durch mehr oder weniger zeitintensives verwenden einer Suchmaschine könnte man auf die Antwort dieser Frage kommen.
Dann gibt es diese fragwürdigen Gender Studies, von denen man mittlerweile nicht mehr so Recht weiß, ob sie eine Wissenschaft ist.
Ich denke Mädchen haben einfach weniger Interesse an Mathe als Jungs.

Nebenbei korreliert angeblich Schönheit mit Intelligenz und Mathe mit Intelligenz.
Das beweist nichts, aber gibt Grund zum Mutmaßen.

Zur Frage was man dagegen tun kann sage ich:
Besser nichts. Mir würde es gefallen, wenn mein Geschlecht besser in einem Gebiet ist.
Gerechtigkeit? Nicht in jedem Fall!
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Darth Nefarius » So 21. Okt 2012, 17:44

Ich habe mal von einer Studie gehört, die beschreibt, dass die eigenen Leistungen durch die gesellschaftliche Rolle, in die man gezwängt wird, beeinflusst wird. Dabei ging es um genau diese Geschlechterfrage. Allerdings hat man da getestet, wie sich die Kleidung oder der Mangel dieser sich auf die Rechenleistungen auswirkt. Die Interpretation der Ergebnisse war plausibel. Offensichtlich stellen sich also manche, wie durch diesen Schriftzug bewusst oder unbewusst dümmer als sie sind, da sie diese Unfähigkeit als geschlechtsspezifisch wahrnehmen und deswegen nicht als Nachteil empfinden. Also ein Vorurteil über sich selbst! Oder anders gesagt: Die Gesellschaft suggeriert eine Unterlegenheit, deswegen glauben manche auch an diese.
Das soll eine mögliche Erklärung sein, ich werde mich nicht festlegen, ob das der einzige Grund für diese Beobachtung ist, die ich eigentlich auch geteilt habe, oder nur ein Verstärker.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » So 21. Okt 2012, 18:43

xander1 hat geschrieben:Durch mehr oder weniger zeitintensives verwenden einer Suchmaschine könnte man auf die Antwort dieser Frage kommen.

Erster Fund:

Geist & Gehirn Mädchen und Mathematik
Ein Beitrag von: Manfred Spitzer
http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sen ... ng294.html

xander1 hat geschrieben:Ich denke Mädchen haben einfach weniger Interesse an Mathe als Jungs.

Ja, aber WARUM??? Damit geboren (wieso ???) oder anerzogen?
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon stine » So 21. Okt 2012, 19:03

Mädchen haben in der Regel (bitte nicht zweideutig verstehen :winkgrin: ) mehr soziale Kompetenz.
Um es gleich vorauszuschicken: Man muss gescheite Mädchen mit gescheiten Jungs und dumme Mädchen mit dummen Jungs vergleichen und nicht kreuzweise vorgehen :o0: .
Aber zurück zur Einleitung: Wer Kinder beiderlei Geschlecht großziehen darf, stellt ganz schnell fest, dass Mädchen mit demselben Spielzeug in der Regel ganz unterschiedliche Dinge spielen. So bauen Buben zB mit Lego Autos und Baumaschinen und Mädchen Häuser und Puppenstuben. Für die Buben ist die Funktionalität wichtig und für die Mädcehn das Rollenspiel mit den Dingen.

Die Genderdiskussion und die daraus folgende Gleichmacherei hatten wir ja schon des öfteren als Thema. Eine Frau, die die Haushaltskasse führen muss ist sicher nicht dümmer, als der Mann, der das Geld nach Hause bringt.
Und noch etwas, beobachtet doch mal Männer und Frauen an der Kasse: Frauen zählen immer nach und überprüfen den Kassenzettel, Männer stecken das Wechselgeld am liebsten sofort ungezählt in die Tasche ihres Jackets. Sind sie zu vertrauensselig oder bekommen sie eine Rechenblockade, wenn die Kassentippse blond ist?

:wink: stine
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » So 21. Okt 2012, 22:59

Ja, aber man(n) wird den Verdacht nicht los (und nicht nur Spitzer sagt es, sondern auch andere Studien zeigen es), dass eine merkwürdige Interaktion stattfindet zwischen dem Verhalten des Kindes (auch, wenn es sehr jung ist) und der Erwartungshaltung der Eltern. Also sooo abschließend und kategorisch würde ich das nicht sagen...
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Nanna » So 21. Okt 2012, 23:03

Denker hat geschrieben:Stimmt es, dass Mädchen für Mathematik weniger begabt sind als Jungs?

Nein, tut es nicht. Es gibt umfangreiche Erhebungen dazu, die mehr oder weniger immer zum selben Schluss kommen, nämlich, dass Männer und Frauen keine statistisch signifikanten Unterschiede in Fragen der Intelligenz haben, egal, auf welchem Gebiet. Es gibt kleine Teilbereiche, beispielsweise das räumliche Vorstellungsvermögen, wo der Testosteronspiegel im Verdacht steht, eine Rolle zu spielen (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4uml ... m%C3%B6gen), aber das fällt in der Summe kaum ins Gewicht.

Was aber ebenfalls in Experimenten festgestellt wurde, ist, dass Frauen in ihren Leistungen in Mathematik stark nachlassen, wenn sie in direkter Konkurrenz zu Männern stehen. Die Leistungen von Frauen, denen bei einem Mathetest gesagt wurde, dass sie am Ende mit den Männern verglichen würden, liegen bis zu 40% unter denen, die dieselben Frauen erbringen, wenn nur ein innergeschlechtlicher Vergleich angekündigt wird. In diesem Fall sind dann die Leistungen identisch mit denen der Männer. Es ist also mit ziemlicher Sicherheit tatsächlich die Macht der kulturellen Prägung, die Unterschiede in den Leistungen bedingt, nicht prinzipielle Eignungsunterschiede.

Es gibt eine kleine Abweichung davon bei stark Hochbegabten. Da sind tatsächlich die mathematisch höchstbegabten Männer überrepräsentiert. Das liegt daran, dass Eigenschaften bei Männern generell statistisch breiter gestreut sind, als bei Frauen, weil Männer wegen ihres einzelnen X-Chromosoms ungewöhnliche Eigenschaften häufiger ausbilden als Frauen, die ein zweites X-Chromosom haben, das als Backup einspringen kann, wenn das andere Chromosom Anomalien aufweist. Das führt dann natürlich auch dazu, dass anteilsmäßig mehr Männer auf beiden Seiten der Gaußkurve sitzen, sprich, es gibt auch mehr geistig behinderte bzw. schwachsinnige (IQ < 60) Männer als Frauen.

Denker hat geschrieben:woher kommt dieses Vorurteil? (das viele Frauen schon total verinnerlicht haben)

Das ist eine kulturelle, über Jahrhunderte geprägte Tradition, die in patriarchalischen Gesellschaften - also solchen, wo es zur Grundorganisation der Gesellschaft gehört, dass der Mann Herrschaft, Besitz und Erblinie kontrolliert - begünstigt auftritt. Patriarchalische Gesellschaften haben sehr klar voneinander abgegrenzte Rollenbilder, und die müssen natürlich mit Narrativen "sinnvoll" ausgestaltet werden, um akzeptiert, repetiert und perpetuiert zu werden. Im Zusammenhang mit einer Gesellschaftsordnung, in der der Mann den Ton angibt, ist die Begründung, dass er einfach logischer, rationaler, abwägender, ergo auch mathematisch begabter ist, einfach eine gute Story, die die als natürlich wahrgenommene Ordnung konsistent begründet.
Dieses kulturelle Narrativ wurde über Jahrtausende gepflegt, ist in vielen anderen gesellschaftlichen Narrativen eingewoben und gehört nach wie vor zum generellen kulturellen framework unserer Gesellschaft, also dem Rahmen, in dem wir uns in Bezug auf andere verorten und orientieren. Geht man nach Persönlichkeitsklassifikationsschemata wie dem MBTI, dann gehören etwa drei Viertel der Bevölkerung zu den sogenannten sensing-Typen, die besonders von solchen "Äußerlichkeiten" wie Rollenbildern, Kleidungsstilen etc. angesprochen werden und bemüht sind, sich gesellschaftlichen Konventionen zu unterwerfen. Berücksichtigt man weiterhin die Tatsache, dass die klassischen Rollenbilder gerade mal seit knapp 100 Jahren ernsthaft herausgefordert werden und die richtig intensive, offene Auseinandersetzung erst nach 1968 angefangen hat, braucht man sich nicht weiter wundern, dass diese Denkweisen noch ganz stark befolgt und weitergegeben werden. Die radikale Veränderung eines Rollenbildes ist so schnell nicht zu bewerkstelligen, zumal sich in den letzten Jahren die Stimmen derer mehren, die unklare Rollenbilder beklagen, wie z.B. jüngst in der SZ: Männer wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen

Insofern, es wird noch eine Weile dauern, bis es normal geworden ist, also sprich, bis keiner mehr drüber redet, weil man über Selbstverständlichkeiten keine Diskussion führt, dass die Geschlechterfrage in Bezug auf das Mathe-Image keine Rolle mehr spielt.

Denker hat geschrieben:was können wir dagegen tun?

Naja, was man eben tun kann, um Vorurteile abzubauen. Haltung zeigen. Keine dummen sexistischen Äußerungen und Witze tun und sie auch nicht akzeptieren, wenn Arbeitskollegen und Freunde ihre billigen Kalauer à la "Wir Männer, ihr Frauen" ablassen. Uns innerlich zurückpfeifen, wenn wir uns beim Gedanken erwischen, eine Frau für (mathematisch oder anderweitig) inkompetent zu halten, weil sie eine Frau ist. Falls wir Chef sind, die Aufgaben und Projekte, die Mathematik beinhalten, nicht instinktiv an Männer vergeben. Falls wir Vater sind, unsere Töchter als selbstverständlich ebenso mathematisch begabt anzusehen, wie unsere Söhne. Und so weiter halt. Ist recht mühsam und man wird natürlich laufend als linker Gutmensch abgestempelt ("Gutmensch", der beste Indikator dafür, dass der Sprecher von vernünftiger Argumentation überfordert ist *SCNR*), aber anders geht's meines Erachtens nicht. Irgenwann stirbt die alte Generation weg und die neue, die besser verinnerlicht hat, dass Frauen und Männer gleichbegabt sind, nimmt die begabte Mathematikerin einfach als Normalfall wahr - dann haben wir's geschafft.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » So 21. Okt 2012, 23:24

Manno! Das war (mitten in der Nacht!) ein Super-Beitrag! :applaus: :respekt:
Vielleicht grabe ich noch ein wenig weiter und suche weitere Quellen, um das zu untermauern...
Morgen... :schlafen:
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Nanna » So 21. Okt 2012, 23:27

Äh... danke für die Blumen! Ich kann Nachts meist am besten arbeiten, da ist die Welt so schön ruhig. ;-)
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Lumen » So 21. Okt 2012, 23:50

Nanna hat geschrieben:("Gutmensch", der beste Indikator dafür, dass der Sprecher von vernünftiger Argumentation überfordert ist *SCNR*


Kleiner Exkurs, Off-Topic: Einspruch. Es gibt heute Menschen die ihre Ansichten danach ausrichten, was gut klingt (und sonst nichts). Sie haben als Beispiel über Toleranz, Gewalt und andere Fragen nie nachgedacht, sind aber überzeugt, dass das eine in jeder Form total gut ist, und das andere, in jeder Form, total schlecht. Früher gab es nur den "Stammtisch", der gewissermaßen das Gegenteil darstellt. Aber mittlerweile haben sich Idioten gleichmäßig in alle Richtungen verteilt, und sind in Form des Gutmenschen nun auch zahlreich auf linker zu Seite zu finden.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Nanna » Mo 22. Okt 2012, 00:18

Das Problem daran ist, dass der Ausdruck gern dafür benutzt wird, Menschen mit idealistischen Zielen zu labeln, auch dann wenn diese Ziele durchaus mit substantiellen Begründungen unterfüttert sind. Das tritt natürlich auch bei der "Stammtischparole" auf, insofern sind sowohl "Gutmensch" wie auch "Stammtisch" ad-hominem-Totschlagausdrücke. Ich bestreite nicht, dass es den Typus Gutmenschen, der aus äußerlichen, profilorientierten Kriterien heraus für eine Position eintritt, durchaus gibt. Aber der Ausdruck wird meines Erachtens viel zu gewohnheitsmäßig an Leute verteilt, die bestimmte Ideale unterstützen, was dazu führen kann, dass man für Ziele wie Geschlechtergleichberechtigung selbst mit sehr differenzierter Begründung nicht vertreten kann, ohne sich das Label Gutmensch (= abgehobener Träumer, der anderer Leute Geld/Arbeit/Zeit verteilen will und nichts vom "richtigen", d.h. traditionell-konformen, Leben versteht) einzufangen.

Genau wie bei pseudowitzigen Äußerungen über Frauen, die "nicht einparken", "keinen Bohrer bedienen" oder eben "kein Mathe" können, ist es meiner Meinung nach einfach das beste, auf die Gutmensch- bzw. Stammtisch-Karte möglichst zu verzichten und sie wirklich nur dann rauszuziehen, wenn man einem eindeutigen Exemplar besagter Idioten gegenübersteht.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » Mo 22. Okt 2012, 20:27

Zurück aufs Spielfeld!! (Der off-topic könnte einen eigenen Faden rechtfertigen)
Ergebnis meiner letzten Grabungen:
http://www.jahr-der-mathematik.de/coremedia/generator/wj2008/de/01__Das_20Wissenschaftsjahr/Botschafter__Meier.html
und
http://www.focus.de/schule/schule/unterricht/interview-mit-barbara-meier_aid_262163.html
und
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/mathematik-maedchen-koennen-s-genauso-gut-a-670460.html
Das nur als kleine Kostprobe. Also kann ich mich --- mit brighter Hilfe hier --- von meiner Anfangsthese verabschieden... :2thumbs: (die ja nicht meine war, FSM sei Dank!) (sondern nur eine Frage)
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » Mo 22. Okt 2012, 20:36

Noch'n Gedicht (Heinz Ehrhard):

Warum erzielen Frauen weniger Spitzenleistungen in der Mathematik?
Erklärt wird dies gerne durch die Existenz des Vorurteils, dass Frauen schlechter in Mathe seien als Männer. Für diese populäre Theorie gibt es aber nach einer aktuellen Studie keine Belege

Das ist die Überschrift eines guten Beitrags in http://www.heise.de/tp/blogs/10/151244.

Nun kann die Nachtschicht (Nanna) übernehmen...
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Lumen » Mo 22. Okt 2012, 20:41

Es gibt eine Studie, wonach Leute in Tests dann schlechter abschneiden, wenn sie mit Vorurteilen konfrontiert werden. Leider weiß ich nicht mehr genau, welche Studie das war.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon ganimed » Mo 22. Okt 2012, 22:26

Ich habe dazu Rosenthal gefunden (ich bin der Meinung, das war Spitze!)
Zu lesen hier (.pdf):
    "Einige Monate später starteten sie [Grundschuldirektorin Jacobsen und Psychologe Rosenthal] gemeinsam eine Studie (.pdf), die in die Geschichte der Sozialpsychologie einging.

    Darin gaben sie den Lehrern die Namen von Schülern in insgesamt 18 Klassen und teilten ihnen mit, dass diese besonders begabt seien. In Wahrheit stimmte das allerdings gar nicht, Rosenthal und Jacobsen hatten diese Schüler via Zufallsprinzip ausgewählt.

    Acht Monate später absolvierten nun alle Schüler verschiedene Intelligenztests. Kaum zu glauben: Jene angeblich talentierten Schüler schnitten darin wesentlich besser ab: "Wenn Lehrer daran glauben, dass Schüler gut abschneiden und sich intellektuell weiterentwickeln, dann geschieht das auch. Wenn die Lehrer daran nicht glauben, geschieht es nicht", schrieb Rosenthal."

Und weiter heißt es auch:
    "Dutzende von Studien konnten inzwischen zeigen: Schüler, Studenten und Angestellte lassen sich von negativen Stereotypen negativ beeinflussen. Wer Mädchen vorgaukelt, dass Frauen generell schlechter in Mathematik sind, mindert ihre Leistung in einem anschließenden Test. Legt man dunkelhäutigen Schülern nahe, dass hellhäutige Menschen intelligenter seien, schlagen sie sich in einem IQ-Test schlechter."

Ich habe eine 11 jährige Tochter, die in den ersten Klassen gut in Mathe war, genau so gut wie jetzt mein 9 jähriger Sohn. Aber inzwischen hat sie deutlich nachgelassen. Na, mit der werde ich reden.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Vollbreit » Mo 22. Okt 2012, 22:34

Richtig, das gibt es.
Übrigens auch mein Kompliment an Nannas Beitrag, so viel Zeit muss sein.

Es gibt noch einen Effekt, den Lumen vielleicht meinte.
Wenn Menschen wissen, dass von ihnen im Vorurteil erwartet wird, dass sie bspw. als Frau nich einparken können, ohne sich dumm anzustellen, dann werden sie sich dumm anstellen. D.h. man entpricht unbewusst (und statistisch, also mal mehr, mal weniger) den Klischees, die gerade vorherrschen, sofern man sie kennt.

Hier noch'n link dazu:
http://www.theintelligence.de/index.php ... ussen.html
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » Di 23. Okt 2012, 15:17

@ Ganimed + @ Vollbreit: sehr interessante Links! :applaus:
Hier entwickelt sich ja eine richtige Schwarmintelligenz zu diesem Thema... und die Leute mit ihren Vorurteilen können langsam einpacken :(
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Denker » Mi 24. Okt 2012, 13:27

Die erste Mathematikerin der Geschichte (vor ca. 10.000 Jahren, in der Steinzeit!) war Wilhelmine Wicca, genannt Willa. Das steht in dem druckfrischen Buch "1 + 1 = 10. Mathematik für Höhlenmenschen" (Spektrum-Verlag, siehe
http://www.amazon.de/10-Mathematik-f%C3%BCr-H%C3%B6hlenmenschen/dp/3827429277/). :2thumbs:
Hier gibt es auch eine Pressemitteilung dazu: "Uraltes Wissen der Steinzeit: Ackerbau, Viehzucht und… Mathematik" (http://www.openpr.de/news/665751.html) :mg:
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon Vegan33 » Mi 10. Apr 2013, 14:52

Mädchen wurden bisher von Mathematik ausgeschlossen, die Wissenschaft die sich mit Zahlen beschäftigt gehörte nicht zu den typischen Fächern des weiblichen Geschlechts. Aber selbst in der Antike gab es Frauen die sich mit Mathematik beschäftigten, die Annahme meinerseits lautet dass es von den patriarchalen Gesellschaften damals untermauert wurde. Die Statistik besagt Mädchen sind schlechter in Mathematik, aber das liegt nicht unbedingt an Unfähigkeit sondern meiner Meinung nach an Desinteresse, also der Einstellung aus deiner Einleitung - Ich bin zu hübsch für Mathe.
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Re: „Ich bin zu hübsch für Mathe“

Beitragvon provinzler » Fr 12. Apr 2013, 14:43

Vegan33 hat geschrieben: Desinteresse, also der Einstellung aus deiner Einleitung - Ich bin zu hübsch für Mathe.

Das ist hierzulande wirklich die reinste Seuche. Für manche ist es auch schlicht eine bequeme Ausrede nicht mehr zu tun. Ich könnte da manchmal wirklich die Wände hochgehen. :kopfwand: Nimmt aber auch bei den Buben stark zu, dass Mathe einfach uncool ist. Während gehänselt wird, wer unsportlich ist, kann immer noch cool sein, wer schon bei den Grundrechenarten die Segel streicht. Ingesamt leiden die MINT-Fächer unter einem gewaltigen Imageproblem. Das mag daran liegen, dass es in diesen Fächern bestimmte berufliche Soziotope gibt, die Leute mit bestimmten Problemen anzieht (Big Bang Theory lässt grüßen), weil man dort mit diesen Schwierigkeiten nicht so unangenehm auffällt.
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