Selbstüberschätzung

Selbstüberschätzung

Beitragvon xander1 » Fr 30. Mai 2014, 17:43

Warum überschätzen sich so viele Menschen selbst.
Ich habe gelesen, dass das zu einem der bedeutentsten Denkfehlern ist, sich selbst zu überschätzen in einem Buch über Denkfehler.
Müssen wir uns selbst überschätzen, damit wir mit uns im Reinen sind und keine Komplexe bekommen? Ich glaube da liegt der Hund begraben!
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Darth Nefarius » Fr 30. Mai 2014, 22:03

Man könnte genausogut fragen, wieso sich so viele so gering schätzen. Liegt es darin, dass die Risikominimierung uns am Leben hält?
Beides hat Vor-und Nachteile.
Ich persönlich bevorzuge die Hybris; das hat sich bewährt, weil ich durch meine hohen Ansprüche an mich selbst auch viel geleistet habe - der Nachteil ist, dass man selten zufrieden ist (wenn überhaupt). Der klare Vorteil der Hybris, die aus Selbstüberschätzung erfolgt, ist für mich, dass ich mir letztlich nicht vorwerfen kann zu wenig gewagt zu haben - das wiegt schwerer als sich vorzuwerfen, zu viel gewagt zu haben. Wenn man an wohl einer Sache am wenigsten scheitern will, dann an der eigenen Willensschwäche.
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Darth Nefarius » Fr 30. Mai 2014, 22:04

Sag mal, kommt es nur mir so vor, oder sind wir hier die letzten 2, die noch diskutieren?
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Re: Selbstüberschätzun

Beitragvon Lumen » Fr 30. Mai 2014, 22:25

Hier einmal zwei Zitate, die eine alte Weisheit widerspiegeln.

    The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt.
    — Bertrand Russell

    Ignorance more frequently begets confidence than does knowledge: it is those who know little, not those who know much, who so positively assert that this or that problem will never be solved by science.
    ― Charles Darwin, The Descent of Man

Selbstüberschätzung — so sagt auch die Wissnschaft — ist auch ein Zeichen von Dummheit. Wer intelligent ist, sieht die Grenzen seines Wissen und die Schwierigkeiten damit. Natürlich lässt sich das nicht verallgemeinern, denn wer sich in einer Sache auskennt, hat auch mehr Sicherheit. Man kann aber ein gutes Gespür entwickeln, ob jemand sehr inkompetent ist, oder sich auskennt.

Der Effekt, dass sich jemand selbst überschätzt, weil er derartig wenig weiß, dass er auch für die eigene Inkompetenz blind ist, nennt sich Dunning-Kruger-Effekt.
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon xander1 » Fr 30. Mai 2014, 23:41

Ja also laut diesem E-book: Die Kunst des klaren Denkens
ist das verbreiteter, dass Menschen sich selbst überschätzen, als dass sie sich unterschätzen.
Ich denke mal ich schätze mich selbst durchschnittlich ein, aber vermute dass hier und da auch ein wenig Selbstüberschätzung drin steckt, weil ich ja auch weit gekommen bin Bildungsmäßig.

Lumen:
Wusstest du das schon vorher oder hast du gegoogelt?
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Darth Nefarius » Sa 31. Mai 2014, 09:13

Ob eine Selbstüber- oder Unterschätzung erfolgte, ist nur in der Retrospektive zu klären. Wenn man Glück hatte, wird man als selbstsicher bezeichnet, wenn man Pech hatte, dann hat man sich unter- oder überschätzt - aber das hängt oft von Unwägbarkeiten ab und nicht vom Verstand. Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Grad an Selbstsicherheit und Intelligenz. Man kann auch jedes Risiko, jede Schwierigkeit kennen und trotzdem handeln, weil man die Chance nutzen will (egal wie groß sie ist).
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon stine » Sa 31. Mai 2014, 12:07

Darth Nefarius hat geschrieben:Sag mal, kommt es nur mir so vor, oder sind wir hier die letzten 2, die noch diskutieren?

:lachtot:
Ich glaube fast, das ist so!
Manchmal lese ich noch mit, aber sooo spannend ist es im Augenblick wirklich nicht.

Selbstüberschätzung ist übrigens ein typisch männliches Phänomen :^^:
Entweder soll das zweckdienlich und deswegen genetisch so sein oder es ist kulturell bedingte Erziehungssache. Man kann ja zukünftig mal schauen wie sich im Land der Emanzen die Männer künftig gebärden werden.

LG stine
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon xander1 » Sa 31. Mai 2014, 14:23

Männer sind ja auch dumm!
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Darth Nefarius » Sa 31. Mai 2014, 15:18

stine hat geschrieben:Selbstüberschätzung ist übrigens ein typisch männliches Phänomen :^^:

So wie Narzissmus gehäuft bei Männern vorkommt, sind Depressionen eher typisch weiblich - also haben wir es da besser getroffen, würde ich sagen. :kg:
Übrigens witzige freudsche Fehlleistung meinerseits - ich habe zuerst "gebähren" gelesen. :lachtot:
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon stine » Sa 31. Mai 2014, 16:31

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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Lumen » So 1. Jun 2014, 21:34

xander1 hat geschrieben:Lumen:
Wusstest du das schon vorher oder hast du gegoogelt?


Für den genauen Wortlaut der Zitate habe ich die Suchmaschine bemüht, wusste aber dass es diese Zitate von den beiden Herrschaften gibt.
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Kurt » So 1. Jun 2014, 22:20

stine hat geschrieben:Selbstüberschätzung ist übrigens ein typisch männliches Phänomen :^^:


Yep, ungefähr in dem Ausmaß wie Führungskräfte und Politiker eher männlich sind. Vielleicht ist es besser, sich selbst zu überschätzen, solange die Mitmenschen das auch tun? Wer würde einen Politiker wählen, der sagt "möglicherweise bin ich ein Idiot, aber wählt ihr mich bitte trotzdem?"? Wenn man nicht weiß, wie gut man ist, soll man dann von vornherein davon ausgehen, dass man irgendetwas kann oder das man es nicht kann? Zu viele Menschen nutzen ihr Potenzial nicht, weil sie von den Eltern auf die niedrigere Schule geschickt wurden, weil ihnen nichts zugetraut wurde und sie sich selber nichts zutrauen. Das ist wohl ein typisch weibliches Phänomen.
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon stine » Mo 2. Jun 2014, 09:17

Das wäre meine Frage gewesen, ob die männliche Selbstüberschätzung ein kulturelles Phänomen ist oder ein genetisches/hormonelles.
Ich denke dass Mädchen in unserer Gesellschaft längst nicht mehr kleingeredet werden und trotzdem bleiben sie oft lieber in der zweiten Reihe. Zuwenig Testosteron?

LG stine
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon provinzler » Mo 2. Jun 2014, 13:24

wikipedia hat geschrieben: Ein hoher Testosteronspiegel fördert das Entstehen bzw. die Steigerung von sexuellem Verlangen (Libido) und generell Antrieb, Ausdauer und „Lebenslust“, sowie dominante und aggressive Verhaltensweisen.

Ausdauer und Aggressivität sind sicherlich nicht schädlich auf dem Weg nach ganz oben...
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Jounk33 » Mo 2. Jun 2014, 22:32

Es ist die Ansammlung von Macht auf meist eine Konzentration die uns zur Selbstüberschätzung neigen lassen.
Wenn jemand dadurch zum Verbrecher wird, dann reden wir gar von Grössenwahn.
Also die zur Schaustellung von Omnipotenz ist es was uns so fasziniert und was uns dazu bewegt dem nahe zu kommen um etwas davon ab zu bekommen oder gar selbst so zu werden.

Früher einmal traf das bestimmt zu aller meist auf Männer zu, heute aber betrifft das Frauen wie auch männer. Selbstüberschätzung wurde überall zur Überlebenstaktik. Eigentlich, ich meine von Natur aus, ist Selbstüberschätzung lebensgefährlich, aber in unserem System eine Bedingung.

Ich mag Leute überhaupt nicht die mehr aus sich machen als sie eigentlich sollten und selbst können. Nicht nur weil die schlechte Lügner sind und die Lügen aussprechen die andere (Chefs, Teamkollegen) hören wollen, nein, vor allem weil die ja eigentlich die grundlage für solche gefährlichen Machtkonzentrationen sind, denn die erhöhte Anforderung des Selbstüberschätzen erfordert, dass andere dafür mehr tun. Sowas geht dann auch wieder nur entweder mit Gewalt oder mit Betrug oder Erpressung und andere Dinge denen man selbst aber nicht anheim fallen möchte, was einen dann selbst wieder antrebt ebenso für erhöhte Anforderungen andere zu missbrauchen.
Also ich denke wenn jemand weiss was er kann, der kennt auch seine Grenzen und demnach was er selbst herstellen oder erwirtschaften kann, doch jemand der permanet mehr will als er selbst kann der braucht andere die das für ihn erfüllen können.

Wenn es also mehr Menschen geben würde die nach ihren eigenen Fähigkeiten sich einrichten gibt es besimmt weniger Wirtschaftswachstum, aber vielleicht mehr Zufriedeneheit. Wenn es aber immer mehr gibt die mehr wollen als sie selbst können, dann muss es zwangläufig immer mehr geben die dafür mit arbeiten, von daher ist auch immer mehr Betrug und Gewalt vorprogrammiert, und danach tendiert es ja seit einigen Jahrzehnten.
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Re: Selbstüberschätzung

Beitragvon Darth Nefarius » Di 3. Jun 2014, 13:41

Ja, ja - früher war alles besser und Männer sind Schweine.
Übrigens finde ich, dass dieser Satz selbst:
stine hat geschrieben:Selbstüberschätzung ist übrigens ein typisch männliches Phänomen :^^:

voller Selbstüberschätzung ist. :mg:
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