Fakten, Interpretationen, Spekulationen

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Re: Fakten, Interpretationen, Spekulationen

Beitragvon ujmp » Fr 28. Feb 2014, 07:30

Ich glaub, ich versteh wie du das meinst. ;-)

Es geht leider manchmal tatsächlich nicht um Wahrheit, sondern um Geltung und Rechtbehalten. Da scheinen auch echte Philosophen und Wissenschaftler oft ganz üble Gockel zu sein.
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Re: Fakten, Interpretationen, Spekulationen

Beitragvon Nanna » Fr 28. Feb 2014, 23:41

Es ist grausig, wenn man mal das politische Innenleben von philosophischen, gesellschaftswissenschaftlichen oder auch pädagogischen Instituten gesehen hat. Man denkt sich, die müssten das doch besser können als unsereiner, sind doch Profis, aber teilweise geht es da eher noch übler zu. Umgekehrt war ich erstaunt über das Ausmaß an Tratschtantentum an so manchem naturwissenschaftlichen Institut, das jede Daily Soap in den Schatten stellt. Gelingende Kommunikation ist eine verdammt komplizierte Geschichte...
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Re: Fakten, Interpretationen, Spekulationen

Beitragvon provinzler » So 2. Mär 2014, 14:34

Vollbreit hat geschrieben:Da haben (wohl nicht nur) wir, was gemeinsam. Was Lehrer und Schüler unterscheidet ist in schlechten Fällen, dass die Lehrer die erläuternde Ausgabe zum Text haben und dann läuft es genauso ab, wie von Dir beschrieben. Zu meiner Schulzeit war gerade Mode, das alles was falsch war, irgendwie auch richtig war und so wurde man sozialpädagogisch wertvoll auf den richtigen Weg gewiesen: „Ja, kann man so sehen, wer hat noch eine Idee?“ Solange bis man dann mit reichlich dirigistischer Nachhilfe, die das „Richtige“, was rauskommen musste offenbarte, endlich die allerrichtigste unter den lauter richtigen Lösungen hatte. Das war der Nachteil.

Ja das kenne ich. Hab irgendwann in der Mittelstufe mal eine Diskussion mit ner Deutschlehrerin geführt, weil ich wissen wollte, was an meiner Interpretation unschlüssig oder unlogisch oder aus dem Kontext raus nicht passte. Ihr Argument bestand aus einem Satz: "Das kann man so nicht sagen". Nachdem ich auf mehrmaliges Nachfragen weiter nur diesen einen Satz zur Antwort kriegte, platzte mir damals der Kragen und ich fragte ziemlich ungehalten: "Oder ist das nur falsch, weils nicht so im Lösungsheft für Deutschlehrer steht?" An ihrer Reaktion konnte ich ablesen, dass ich genau ins Schwarze getroffen hatte.
In der Oberstufe habe ich mich zweimal geweigert ein Buch zu lesen. Einmal die Leiden des jungen Werthers, weil mir das Buch schon nach ein paar Seiten zu depressiv war, und ich heilfroh war aus meiner mehrjährigen eigenen Depression grade raus zu sein. Die Klausur hab ich dann bestritten, in dem ich tags zuvor noch die Zusammenfassung in einem Literaturlexikon las. Hab damals sogar ne Zwei gekriegt, glaub ich. Hab mich jedenfalls köstlich amüsiert, als die Dame noch mitteilte, wer das Buch nicht gelesen hätte, würde eine Fünf kriegen (was ich mir zur Not auch hätte leisten können).
Und dann im Englisch-LK ein sozialistisches Pamphlet namens "The Jungle", was der Englischlehrer, den ich auch in Sozialkunde hatte, stillschweigend toleriert hat, vermutlich um sich Grundsatzdiskussionen über wirtschaftliche Zusammenhänge zu ersparen.
In der Kollegstufe hatte ich dann eigentlich recht gute Deutschlehrer, die einem auch erklärten, warum die eigene Interpretation nicht in den (historischen oder literarischen) Kontext passt.
Ich schwankte eigentlich immer zwischen zwei und drei, mit Tendenz zur zwei. Ausgenommen Faust I, wo ich mal 13 Punkte (1-) abgeräumt hab.

Vollbreit hat geschrieben: Zähe, endlose Stunden nagender Langeweile und Deutsch war noch eines von den besseren Fächern. (Hätte ich die Aussage, die Schulzeit sei die best Zeit des Lebens, auch nur eine Sekunde ernst genommen, wäre das für mich ein ernsthafter Grund gewesen, über Selbstmord nachzudenken. Ich hab den Quatsch nie geglaubt und kann mir meine Schulzeit auch rückwirkend nicht schönreden.)

Ging mir ähnlich, nur dass ich Deutsch nie sonderlich mochte (speziell in der Mittelstufe). Meine Fächer waren eher Mathe, Physik, Chemie, Wirtschaft und Geschichte, wobei mir das da auch viel zu lahmarschig ging und zu oberflächlich blieb.
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Re: Fakten, Interpretationen, Spekulationen

Beitragvon ujmp » Sa 8. Mär 2014, 11:16

Nanna hat geschrieben:Es ist grausig, wenn man mal das politische Innenleben von philosophischen, gesellschaftswissenschaftlichen oder auch pädagogischen Instituten gesehen hat. Man denkt sich, die müssten das doch besser können als unsereiner, sind doch Profis, aber teilweise geht es da eher noch übler zu. Umgekehrt war ich erstaunt über das Ausmaß an Tratschtantentum an so manchem naturwissenschaftlichen Institut, das jede Daily Soap in den Schatten stellt. Gelingende Kommunikation ist eine verdammt komplizierte Geschichte...

Leider ist der Selektionsdruck durch die Konkurrenz oft so groß, das Fähigkeiten ausgebildet werden, die hauptsächlich auf Selbstbehauptung abzielen. Bei Pfauen gewinnt letztlich derjenige, der das größte Rad schlägt, nicht derjenige, der am besten an seine Umwelt angepasst ist. Konrad Lorenz (mit dem ich mich grad beschäftige) meint sogar, dass durch den Konkurrenzdruck durch Artgenossen der Anpassungsdruck durch die Umwelt förmlich abgeschaltet werden kann. Z.B. haben Hirsche Geweihe ausgebildet, die sie nur benötigen, um sich gegen ihre eigenen Artgenossen zu behaupten, die ihnen aber ansonsten eigentlich schaden.

Ich meine das auch im menschlich sozialen Bereich beobachten zu können. Seit ich vor einigen Jahren von einem kleinen Ort in eine Millionenstadt gezogen bin, beschäftige ich mich unverhältnismäßig mehr mit meinen Konkurrenten (das geht schon im Straßenverkehr los), als mit dem Finden von kreativen Lösungen in meinem Beruf. So ein richtiger Team-Geist, mal zusammen was richtig Geiles auf die Beine zu stellen, kommt da leider nur schwer auf.
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