Steinzeiternährung und Zivilisationskrankheiten

Steinzeiternährung und Zivilisationskrankheiten

Beitragvon xander1 » Di 10. Dez 2013, 09:45

Hier eine Einführung dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Steinzeitern%C3%A4hrung

Ich bin darauf gekommen, durch eine suche in youtube über Zivilisationskrankheiten
http://www.youtube.com/watch?v=bMnN6lWXJwQ
http://www.youtube.com/watch?v=v5_BYAemCwU
Eigentlich ein Thema, das jeden betrifft und deshalb interessieren sollte.

Die Steinzeiternährung ist allerdings umstritten. Es ist schwer beweisbar, dass sich die Urmenschen so ernährt haben. In einer Zeitschrift beim Arzt gabs Leserkommentare die von der Wirkung der Steinzeiternährung begeistert waren, aber einer mit nem Dr. Titel (ob der Ernährungsexperte war???) meinte dass das totaler Quatsch ist mit der Steinzeiternährung bzw. Paleo-Diät.

Aber ich denke, dass die Paleo-Diät darin Recht behält, dass wir erst seit einiger Zeit verstärkt Milchprodukte und Getreideprodukte zu uns nehmen.

So ganz lupenrein wissenschaftlich ist die Paleo-Diät scheinbar nicht (was immer auch wissenschaftlichkeit hierbei meint), aber was dran sein wird da schon.
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Re: Steinzeiternährung und Zivilsationskrankheiten

Beitragvon Darth Nefarius » Di 10. Dez 2013, 12:48

Betrachten wir doch einfach mal die Lebenserwartung von heute und von vor 100.000 Jahren. Sich an der Steinzeit zu orientieren scheint in vielerlei Hinsicht doch nur schwachsinnig, bedenkt man, dass viele Zivilisationskrankheiten einfach nur auf das gestiegene Alter zurückzuführen sind. Klar ist das bei Fettleibigkeit nicht so und das liegt auch ganz offensichtlich am Überfluss. Als Biochemiker beschäftigt man sich z.Bsp. sehr genau mit den Wirkungen von gesteigerter Kohlenhydrataufnahme, der Insulinresistenz, der gesteigerten Ausschüttung von Interleukin 6, Leptinresistenzen...... Und dann gibt es tatsächlich noch Mangelerscheinungen an anderer Stelle wie z.Bsp. Calcitriol. Es ist keine große Leistung einfach nur zu essen, wenn man auch wirklich Hunger hat und nicht weil der Hamburger gerade im Angebot ist. Alles eine Frage der persönlichen Gier. Ich esse was ich will und bin nichtmal ansatzweise übergewichtig, sogar relativ muskulös. Herzkreislauferkrankungen sind auch nichts, was wir unbedingt unserer Ernährung anlasten müssen: Jeder Mensch hat Plaque in seinen Gefäßen, es ist einfach eine natürliche Anreicherung an Remnants und co.. Der Witz ist übrigens, dass der Körper selbst Cholesterin synthetisiert - sogar zum Großteil. Das bedeutet, dass jeder irgendwann einen Herzinfakt oder Schlaganfall bekommt, wenn er nicht schon vorher an Krebs oder sonstwas stirbt. Glücklicherweise haben Naturwissenschaftler mit biochemischer Ausbildung soetwas wie Statine entwickelt, die die natürliche Synthese von Cholesterin hemmen (genauer die HMG-CoA-Reduktase, ein Schlüsselenzym). Das wird bereits bei Erkrankten eingesetzt und hat die Lebenserwartung deutlich gesteigert.
Übrigens, wenn wir schonmal bei Ernährungslügen sind: Glutamat hat gewiss keinen schädlichen Effekt aus das Nervensystem (die schwachsinnige Begründung: weil es ein Neurotransmitter ist) - es ist eine Aminosäure und in folglich in jedem Lebewesen vorhanden, welches wir verzehren (ja, auch Pflanzen). Wer also Schnappatmung bekommt, weil er chinesisches Essen vorgesetzt bekommt, hat einen Dachschaden. Legt derselben Person doch einfach Parmesankäse oder Tomaten vor - das sind Glutamatbomben! Ihr könnt sicher sein, dass die das überleben.
Und nochwas: Viele der Biofetischisten haben ein Problem mit der "E"-Kennzeichnung. Wer aber auch nur ein bisschen etwas von Lebensmittelchemie versteht, weiß, dass "E" für nichts weiter als "edible" bedeutet - also essbar!
Also befolgt einfach nur den Grundsatz "quantum satis" - wir haben vor einiger Zeit auch gesehen, was zu viel von Bio-Ernährung bedeuten kann im Zusammenhang mit verseuchten Sojasprossen.
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Re: Steinzeiternährung und Zivilsationskrankheiten

Beitragvon Zappa » Di 10. Dez 2013, 21:42

xander1 hat geschrieben: ... aber was dran sein wird da schon.

"Dran" ist auf jeden Fall, dass Steinzeitmenschen im Durchschnitt 25 Jahre wurden und wir 75. Na dann Mahlzeit :mg:

Im Ernst: Es gibt sicher problematische Bereiche in der modernen Ernährung (insgesamt zuviel Kalorienangebot, zuviel Zucker, zuviel Fleisch), aber Steinzeiternährung war Mangelernährung.
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Re: Steinzeiternährung und Zivilsationskrankheiten

Beitragvon xander1 » Mi 11. Dez 2013, 17:06

Haben Tiere, die nicht bei Menschen sind in der Regel Mangelernährung? Das bezweifle ich. Deshalb glaube ich eher nicht, dass Menschen in der Steinzeit Mangelernährung hatten. Dass dass sie 25 Jahre alt wurden ist aus der Luft gegriffen.
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Re: Steinzeiternährung und Zivilsationskrankheiten

Beitragvon Darth Nefarius » Mi 11. Dez 2013, 18:04

xander1 hat geschrieben:Haben Tiere, die nicht bei Menschen sind in der Regel Mangelernährung? Das bezweifle ich. Deshalb glaube ich eher nicht, dass Menschen in der Steinzeit Mangelernährung hatten. Dass dass sie 25 Jahre alt wurden ist aus der Luft gegriffen.

Tatsächlich haben die meisten Tiere in der Natur gerade soviel, wie es zum Leben ausreicht. Wenn man die Lebensspanne von Labormäusen mit leichter Mangelernährung (also beinahe zu wenig) mit denen von wohlgenährten Versuchstieren vergleicht, so ist die Lebensspanne der ersteren durchaus länger. Das bedeutet, dass der Stoffwechsel von Lebewesen eher mit leichtem Mangel als mit Überfluss umgehen kann. Oxidativer Stress und damit auch Schäden an den Zellen gehen zurück und Stressignale halten das Individuum länger am Leben. Das geht aber meist zu Lasten der Fruchtbarkeit. Es gibt auch Menschen, die diese Art von Diät machen aus diesem Grund. Es gibt sehr viele Mechanismen, die bei Mangel die Körperfunktionen aufrechterhalten, aber bei bereits leichtem Überfluss gibt es starke Degenerationserscheinungen - schon relativ früh. Warum? Weil es bis jetzt nie ein Selektionsmerkmal war, mit Überfluss umgehen zu können, eher mit dem Gegenteil.
Und wenn man sich die Knochen von Urzeitmenschen anschaut, kann man das Alter bestimmen. Tatsächlich sind die Individuen nie sehr alt.
Übrigens versucht man auch diese Stressantworten des Körpers, die diese Langlebigkeit hervorrufen, auch relativ erfolgreich auch ohne Hunger auszulösen; Reservatrol ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen.
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Re: Steinzeiternährung und Zivilisationskrankheiten

Beitragvon fopa » Fr 3. Jan 2014, 12:07

Mein Bruder hat ein Jahr lang im Norden der USA in der Wildnis (mit ca. 30 anderen Menschen) gelebt (http://teachingdrum.org/aboutfamilyyearlong.html). Ein wichtiger Aspekt war dabei die Ernährung, die wie die von Jägern und Sammlern aussah, also vor Beginn von Ackerbau und Viehzucht.
Ob es nun "gesünder" ist, sich so zu ernähren, möchte ich mal hinterfragen. Bloß weil die Menschen vor 10.000 Jahren so gelebt haben, muss es nicht besser sein. Meiner Ansicht nach ist da viel Romantik im Spiel.
Besser wäre es, zu differenzieren: welche Lebensmittel in welcher Kombination haben welchen Einfluss. Da ist m.W.n. schon einiges erforscht, aber auch noch vieles unbekannt. Jedenfalls halte ich diesen "Weg des Wissens" für sinnvoller als den Glauben, eine steinzeitliche Ernährung sei optimal für den Menschen, weil sie der "Natur des Menschen" entspräche.

xander1 hat geschrieben:Aber ich denke, dass die Paleo-Diät darin Recht behält, dass wir erst seit einiger Zeit verstärkt Milchprodukte und Getreideprodukte zu uns nehmen.
Hierzu gibt es ja Befunde bzgl. der Laktose-Intoleranz: http://de.wikipedia.org/wiki/Laktoseint ... he_Befunde
Es gibt eben nicht "die optimale Ernährung" für "die Menschheit". Nicht nur genetische Veranlagung ist ein Maßstab für die individuelle Qualität der Ernährung, sondern auch die Umwelteinflüsse (z.B. Trockenheit, Temperatur) und Tätigkeiten (z.B. Ausdauer- oder Kraftsport) oder Zustände (Krankheit, Verletzung).

Man kann sicher mal für ein paar Wochen oder Monate an sich ausprobieren, ob eine Paläo-Diät einem gut tut. Ich würde mir aber nicht von Ideologien vorschreiben lassen, was ich zu essen habe und was nicht. Inspirationen hole ich mir gerne, ebenso wissenschaftliche Erkenntnisse (die auch nicht immer unbedingt Gültigkeit haben) - letztendlich versuche ich aber, auf meinen Körper zu hören, ob es mir mit dem einen oder dem anderen Lebensmittel besser geht.
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Re: Steinzeiternährung und Zivilisationskrankheiten

Beitragvon Darth Nefarius » Fr 3. Jan 2014, 13:38

Erwähnenswert wäre übrigens auch, dass noch heute einige unzivilisierte Stämme wie damals auch, Kannibalen waren. :mg: Fraglich, ob man sich daran wirklich orientieren will.
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