Atheismus 2.0

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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon Darth Nefarius » Di 29. Mai 2012, 19:36

Nanna hat geschrieben:Mit humanistischen Moralvorstellungen lässt sich schlecht mordend losziehen, mit christlichen (mal definiert als Zehn Gebote + Goldene Regel + Bergpredigt) übrigens auch nicht, muss ich zu deren Ehrenrettung jetzt einfach sagen, auch wenn mir bewusst ist, was im Namen von Humanismus (mission civilatrice, white man's burden) und Christentum (Kreuzzüge, Reconquista, Inquisition) schon alles angerichtet wurde.

...im gegenzug aber nichts Vergleichbares im Namen des Humanismus. Gibt es dann nicht doch Unterschiede?! Ich denke aber schon, dass ein Wertesystem, dass von Kant und co. inspiriert ist, einen gewissen Beitrag zur Gesinnung im dt. Reich hatte, die Gründe sind naheliegend, ich habe auch Anwendungsbeispiele genannt.
Nanna hat geschrieben:Was ich aber für viel problematischer halte als die fehlende Innovation an der Idee ist die Frage, wie Verantwortung konstruiert werden soll. Ist die vielleicht am Ende auch nur noch imaginär? Sollen wir nicht vielleicht sogar alle sprachlichen Konstrukte, deren Gegenstände wir nicht beobachten und quantifizieren können, loswerden? Wenn Moral und Ethik imaginäre Begriffe sind und schon wegen ihrer Imaginiertheit als schädlich aufgefasst werden, wie verhält es sich dann mit nicht weniger nachsprachlichen Begriffen wie "Würde", "Recht", "Respekt" usw.? Warum "Moral" über Bord werfen, aber "Recht" behalten?
Die verantwortung? Kausal sicherlich nicht, moralisch gewiss. Jeder hat ein anderes Empfinden für Verantwortung, sie mag nur bis zur Sippe reichen, oder für ein ganzes Land stehen, eine ebensolche Willkür, die genauso wie die Moral von einem kleinen Horizont beschränkt ist. Die Verantwortung muss nicht konstruiert werden, am gesündesten für den Menschen ist, nach seinem Bedürfnis zu gehen, dieses beinhalten schon oft ein sehr umfassendes Verantwortungsverständnis. Dieses könnte man noch durch logische Argumentation, frei von Imperativen ergänzen ("wenn du nicht CO2 einsparst, ist Holland weg"-ganz platt formuliert). Die kausale Verantwortung und die Fähigkeit zu antizipieren (Konsequenzen bei Untätigkeit) reichen völlig aus, um Verantwortung zu empfinden. Ja, Würde ist ebenso ein Konstrukt, dass als Platzhalter für Argumentation, für Wirkungen/Konsequenzen dient. Erinnert mich an die Argumentation mit "Ehre", das geflügelte, vielleicht schon überstrappazierte Wort ist da "Ehrenmord". Du spielst sicherlich auf die "unantastbare Würde des Menschen" an, aber sie ist faktisch sehr wohl antatsbar, diese Formulierung ändert daran nichts. "Recht" unterscheidet sich von Staat zu Staat, es hat lediglich organisatorischen Nutzen, ist ein subjektives Regelwerk und meiner Ansicht nach legitim, solange kein absoltuer Wahrheitsanspruch herrscht (Bei Menschenrechten ist das der Fall, aber faktlisch wird dieser Anspruch ohnehin ignoriert. Daraus folgt, dass es an der Form liegt, der Mensch wird sich kurzsichtigen Idealen nicht anpassen. Man muss den Menschen genauer erfassen, um gültige Beobachtungen und Optionen (wählbare Regeln) aufzustellen)."Respekt" ist wiederum eine Empfindung und damit etwas absolut subjektives und real, es reiht sich nicht in diese anderen Begriffe ein. Respekt kann sich verdient werden, kann verloren gehen und schwer eingefordert werden, damit verfährt man schon höchstgradig subjektiv. "Recht haben" ist nicht meine Intention, sondern eine effizientere Handlungsbeschreibung aufzustellen (keine Ethik! Es ist alles optional). Wenn diese dem menschlichen Wesen näher kommt, sind vielleicht einige Probleme, die aus Idealen resultieren, behoben.
Nanna hat geschrieben:Bisher hast du als Unterscheidungskriterium lediglich die Imagination geliefert, die lässt sich aber auf fast jeden sprachlichen Begriff anwenden und ist damit nicht besonders hilfreich. Bei der Moral kommt hinzu, dass ihr eine gewisse intersubjektive Evidenz zukommt, da Moralvorstellungen Bestandteil so ziemlich jeder menschlichen Kultur sind, und, ich würde sagen, ganz und gar nicht ohne Grund.

Dieser Tatbestand hat keinen "Grund", sondern eine Ursache, die ich auch geschildert habe: Es ist ein Rechtfertigungsgrund, um schneller und einfacher seinen Trieben folgen zu können, ohne nach rationalen Argumenten suchen zu müssen, weil die Formulierung eines pseudoobjektiven Imperativs überzeugender klingt als der eigene Wille. Das ermöglicht einen gewissen Handlungsspielraum, aber ist als Konzept nicht mehr zeitgemäß, weil gefährlich. Wir sind auch die Steinspeere und die Fackeln losgeworden, obwohl sie sicherlich einen wichtigen Bestandteil der menschlichen Kultur spielten.
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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon Optimist » Mo 23. Jul 2012, 15:57

Lieber Darth Nefarius,

erst einmal vielen Dank für deine Zustimmung zu den Prämissen des Grundgedankens dieses Themas. Was den medizinisch-biologischen Teil angeht hast du ja eine deutlich überdurchschnittliche Autorität. Ich wünsche dir viel Erfolg und Hartnäckigkeit bei deinem Molekularbiologie-Studium und ich bin auch der Meinung, dass insbesondere die politische Debatte über embryonale Stammzellen in Deutschland mit einem Minimum an Sachkenntnis geführt wird.

Wahrscheinlich werden viele von denen, die sich jetzt am ablehnendsten äußern, zu denen gehören, die am vehementesten die Segnungen der neuen medizinischen Möglichkeiten für sich persönlich einfordern werden, wenn sie sie dann benötigen. Aber das muss wohl immer so sein.

Falls du eine physikalische Fakultät an deiner Universität haben solltest, wäre ich dir sehr verbunden, wenn du bei Gelegenheit einmal Informationen über den aktuellen Wissensstand hinsichtlich längerer Zeitreisen in die Vergangenheit einholen und das Ergebnis an dieser Stelle veröffentlichen könntest. Das wäre wirklich sehr freundlich.

Dann wollte ich sagen, dass ich alle deine Beiträge sorgfältig gelesen habe und meine bescheidene Meinung dazu äußern wollte. Du schilderst dich selbst als mitfühlenden Menschen, der sich über die an seinen Mitmenschen verübten Ungerechtigkeiten ärgert und der seine Eltern respektiert und sich ihnen verpflichtet fühlt. Gleichzeitig versuchst du Mitgefühl als eine Art von Schwachsinn darzustellen, obwohl es doch ein Teil von dir und jedem gesunden Menschen ist. Du könntest nun dein Mitgefühl mühsam bewusst unterdrücken oder die gängigen legalen oder illegalen Substanzen hierfür bemühen, die dann allerdings auch von dir höher eingeschätzte Hirnfunktionen beschädigen würden und das Ganze mit dem voraussichtlichen Erfolg, dass sich immer mehr Menschen von dir abwenden werden, oder du akzeptierst dein Mitgefühl als wertvollen Teil von dir. Schließlich ist das Mitfühlen ein wesentliches Element, das den Menschen von den meisten anderen Lebewesen abhebt und ein gesellschaftliches Miteinander überhaupt erst ermöglicht. Und wenn alle versuchen würden, so zu handeln, dass man beim Anblick seiner Mitmenschen nicht so oft mit-leiden müsste, wäre das doch nur zu befürworten und in gewisser Weise auch nicht komplett uneigennützig. Ein wichtiger Stolperstein auf dem Weg dahin ist die verbreitete Kombination von Fremdgruppenablehnung und Eigengruppenfavorisierung, bei der die Religionen oft eine unrühmliche Rolle spielen, womit wir wieder beim Thema wären.

Die Psychologie sagt übrigens, dass das Bedürfnis nach funktionierenden sozialen Kontakten gleich nach den absoluten Grundbedürfnissen kommt und prosoziales Verhalten ist sicherlich nicht der schlechteste Weg, um sich Freunde zu machen.

Ich würde auch die Lektüre des Wikipedia-Artikels über Altruismus empfehlen, um sich ein Bild von den vielen verschiedenen Spielarten und Bewertungen in diesem Zusammenhang zu machen. Ich vermute, dass du dich sicher mit der Philanthropie oder zumindest mit dem Pareto-Altruismus anfreunden könntest.

Ich bin übrigens auch der Meinung, dass du irgendeiner Form von Moral, Ethik oder von mir aus handlungsbewertender Grundhaltung folgst. So preist du ja den Fairnessgedanken: hilfst du mir, helfe ich dir oder lässt du mich in Ruhe, lasse ich dich in Ruhe. Wenn sich alle Menschen wenigstens daran orientieren würden, wäre die Welt schon ein sehr viel besserer Ort. Was darüber hinaus geht, ist dann sicherlich die Kür.

Falls du dich entschließen würdest, eine Information zum Thema Zeitreisen einzuholen, wäre das unter Umständen wesentlich egoistischer, als es auf den ersten Blick wirkt. Schließlich könnte es ein Beitrag zum ewigen Leben für alle, also vielleicht auch für dich und sogar für schon verstorbene geliebte Menschen – von dir oder anderen – sein und vielleicht ein substantieller Beitrag, um den von dir offensichtlich nicht besonders geschätzten Religionen etwas effektiver Konkurrenz machen zu können.

Viele Grüße
der Optimist
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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon Darth Nefarius » Mo 23. Jul 2012, 19:05

Optimist hat geschrieben:Falls du eine physikalische Fakultät an deiner Universität haben solltest, wäre ich dir sehr verbunden, wenn du bei Gelegenheit einmal Informationen über den aktuellen Wissensstand hinsichtlich längerer Zeitreisen in die Vergangenheit einholen und das Ergebnis an dieser Stelle veröffentlichen könntest. Das wäre wirklich sehr freundlich.

Ich frage gleich beim lokalen Teilchenbeschleuniger nach. :mg: Ich denke aber nicht, dass diesbezüglich wirklich seriöse Informationen vorhanden sind.
Optimist hat geschrieben: Du schilderst dich selbst als mitfühlenden Menschen, der sich über die an seinen Mitmenschen verübten Ungerechtigkeiten ärgert und der seine Eltern respektiert und sich ihnen verpflichtet fühlt. Gleichzeitig versuchst du Mitgefühl als eine Art von Schwachsinn darzustellen, obwohl es doch ein Teil von dir und jedem gesunden Menschen ist. Du könntest nun dein Mitgefühl mühsam bewusst unterdrücken oder die gängigen legalen oder illegalen Substanzen hierfür bemühen, die dann allerdings auch von dir höher eingeschätzte Hirnfunktionen beschädigen würden und das Ganze mit dem voraussichtlichen Erfolg, dass sich immer mehr Menschen von dir abwenden werden, oder du akzeptierst dein Mitgefühl als wertvollen Teil von dir. Schließlich ist das Mitfühlen ein wesentliches Element, das den Menschen von den meisten anderen Lebewesen abhebt und ein gesellschaftliches Miteinander überhaupt erst ermöglicht.

Ich brauche keine Substanzen, um Mitgefühl zu unterdrücken, es geht auch mit Übung oder Misanthropie. Ja, für einfache soziale Beziehungen ohne reflektierende Gedanken um Wechselwirkungen in der Gesellschaft ist Mitgefühl nützlich, aber überflüssig, wenn man die Sache versucht rational zu betrachten und den instinktiven Vorläufer überwindet. Ich denke, dass die Schwäche des modernen Menschen immer noch seine unbewussten Instinke sind. Diese sind früher nützlich gewesen, aber ich denke, dass eine bewusste Beleuchtung der Motive heute möglich ist und dieses tierische Verhalten ersetzen kann und sollte. Wenn man sich seines Wesens bewusst wird, sit man eher in der Lage, es zu kontrollieren, andere zu verstehen, mit ihnen zu kooperieren. Und auch das Gegenüber ist ein angenehmerer Kooperator, wenn er sich seiner Motive und Handlungsmechanismen bewusst ist.
Optimist hat geschrieben:Und wenn alle versuchen würden, so zu handeln, dass man beim Anblick seiner Mitmenschen nicht so oft mit-leiden müsste, wäre das doch nur zu befürworten und in gewisser Weise auch nicht komplett uneigennützig.

Gewiss, aber dann muss auch ein guter Verstand den Instinkt in seiner Funktion ersetzten. Diese Funktion ist notwendig, um mit einem immer noch emotionalen Wesen besser kommunizieren zu können, ohne selbst emotional zu werden (und damit oft irrational).
Optimist hat geschrieben:Ich würde auch die Lektüre des Wikipedia-Artikels über Altruismus empfehlen, um sich ein Bild von den vielen verschiedenen Spielarten und Bewertungen in diesem Zusammenhang zu machen. Ich vermute, dass du dich sicher mit der Philanthropie oder zumindest mit dem Pareto-Altruismus anfreunden könntest.

Ich kenne den Artikel in Teilen, ich kenne die Bewertungen. Ich teile nur manche (/viele) nicht. Deine Vermutung trifft leider nicht zu, ich betrachte mich selbst als Egoist und Misanthrop. Mich widert der aktuelle Mensch in seiner Gesamtheit an, einige Individuen sind davon ausgenommen, die meinem Ideal enstprechen (oder zumindest in Teilen) und keine Tiere sind, die eine besondere Neigung zur Grausamkeit haben. Auch der Begriff Altruismus geht mir generell zuwider. Er ist einfach unrealistisch, auch wenn Pareto-Altruismus nur eine Verschleierung der Tatsachen wie der reziproke Altruismus in der Biologie ist. Es gibt keine Uneigennützigkeit, sie ist unlogisch, nicht nützlich. Kooperation ist ein anderes Kapitel, sie ist nützlich, logisch und dient dem Individuum.
Optimist hat geschrieben:Ich bin übrigens auch der Meinung, dass du irgendeiner Form von Moral, Ethik oder von mir aus handlungsbewertender Grundhaltung folgst. So preist du ja den Fairnessgedanken: hilfst du mir, helfe ich dir oder lässt du mich in Ruhe, lasse ich dich in Ruhe.

Wenn du mich in Realität kennen würdest, hättest du bezüglich der Fairness, Ethik und Moral anders geurteilt. Nein, ich glaube auch nicht an Fairness, aber die Chancen auf Kooperation zu erhöhen, wenn der Eindruck von Fairness geboten wird. Das ist etwas anderes. Reziprozität ist genau das. Eine Erwartungshaltung wird verursacht, auf beiden Seiten: Zum einen, dass man sich revanchieren muss, um eine potentielle zukünftige Kooperation erneut zu ermöglichen; zum anderen, dass man die Chancen auf eine Gegenleistung bei Bedarf erhält.
Ich sehe das sehr differenziert, der Begriff Fairness ist einfach zu unpräzise, um näherungsweise richtig zu sein für dieses Denkschema.
Optimist hat geschrieben:Wenn sich alle Menschen wenigstens daran orientieren würden, wäre die Welt schon ein sehr viel besserer Ort. Was darüber hinaus geht, ist dann sicherlich die Kür.

Revanche ist nicht immer erwünscht. Sie kann auch Rache bedeuten. Es sollte vielmehr über einzelne Impulse nachgedacht werden, wenn das passiert, wäre die Welt ein besserer Ort. Das ist das einzig realistische Szenario bezüglich der Weiterentwicklung des Menschen, alles andere ist Ideologie. Kulturen spielen bei einer hohen Zivilisationsstufe eine abnehmende Rolle, das begrüße ich.
Optimist hat geschrieben:Falls du dich entschließen würdest, eine Information zum Thema Zeitreisen einzuholen, wäre das unter Umständen wesentlich egoistischer, als es auf den ersten Blick wirkt.

Alles was ich tue ist egoistisch.
Optimist hat geschrieben:Schließlich könnte es ein Beitrag zum ewigen Leben für alle, also vielleicht auch für dich und sogar für schon verstorbene geliebte Menschen – von dir oder anderen – sein und vielleicht ein substantieller Beitrag, um den von dir offensichtlich nicht besonders geschätzten Religionen etwas effektiver Konkurrenz machen zu können.

Du machst deinem Namen alle Ehre. Ich begnüge mich mit einfacheren Zielen: Erstmal potentielle Unsterblichkeit, dann ewige Jugend, dann evtl. Unverwundbarkeit. Von Physik habe ich einfach zu wenig Ahnung, um es auf dem Weg zu versuchen.
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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon stine » Di 24. Jul 2012, 07:19

Darth Nefarius hat geschrieben:
Optimist hat geschrieben:Ich bin übrigens auch der Meinung, dass du irgendeiner Form von Moral, Ethik oder von mir aus handlungsbewertender Grundhaltung folgst. So preist du ja den Fairnessgedanken: hilfst du mir, helfe ich dir oder lässt du mich in Ruhe, lasse ich dich in Ruhe.

Wenn du mich in Realität kennen würdest, hättest du bezüglich der Fairness, Ethik und Moral anders geurteilt. Nein, ich glaube auch nicht an Fairness, aber die Chancen auf Kooperation zu erhöhen, wenn der Eindruck von Fairness geboten wird. Das ist etwas anderes. Reziprozität ist genau das. Eine Erwartungshaltung wird verursacht, auf beiden Seiten: Zum einen, dass man sich revanchieren muss, um eine potentielle zukünftige Kooperation erneut zu ermöglichen; zum anderen, dass man die Chancen auf eine Gegenleistung bei Bedarf erhält.

Fairness, Ethik und Moral sind derzeit auf einen selten gehabten Tiefpunkt angelangt. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwann in den Unternehmenskulturen soviel gelogen und betrogen wurde und auf den Köpfen anderer herumgetanzt wurde wie es derzeit der Fall ist. "Echte" Unternehmer anodazumal waren am Produkt interessiert und der Gewinn kam dann automatisch, weil man fleißig und innovativ gewesen war. Heute geht es ausschließlich um Karriere und Geldverdienen. Das Arbeiten an der eigenen Karriere ist längst zum Mittelpunkt des Tuns geworden, das Produkt ist ausgelagert und läuft mehr schlecht, als recht im Ausland. Jeder kämpft für sich und lässt dabei gerne mal den Kollegen auf der Strecke links liegen. Chefs geben sich heute zwar nach außen kollegialer und man darf sie duzen, dafür fühlen sie sich aber auch nicht mehr für ihre Mitarbeiter verantwortlich und von Fairness oder gar gönnerhafter Unterstützung ist gleich gar keine Rede mehr.
Ethik, Moral und Fairness sind nicht umsonst Fremdwörter, die man benutzen kann, deren Sinn aber längst vergessen wurde. Für mich ist das ein deutliches Zeichen eines überbevölkerten Zivilisationsgemenges.

Immer mehr junge Menschen driften ab in Alkoholexzesse, weil sie in ihrem Leben alles bekommen außer einer überschaubaren Zukunft, die ihnen die Hoffnung gibt, sich auch nach Jahren noch zurechtfinden zu können. Ich finde 40 Tage Campingurlaub in der Wüste ohne Handy und PC sollte für jeden Erwachsenen eine Pflichtveranstaltung werden. Die meisten Menschen sind hoffnungslos überladen und zugesifft mit Zivilisationsmüll und das Mitfühlen ist sowieso oft nur noch lästige Pflicht einer Erwartungshaltung aus der Vergangenheit.

Verkopfte Atheisten haben noch nicht bewiesen, dass sie den besseren Weg in ein zufriedenes Leben kennen. In Zeiten schwindender Religionskultur geht es erstmal ganz schön den Bach runter, würd ich sagen.

LG stine
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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon Darth Nefarius » Di 24. Jul 2012, 11:54

stine hat geschrieben:Fairness, Ethik und Moral sind derzeit auf einen selten gehabten Tiefpunkt angelangt. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwann in den Unternehmenskulturen soviel gelogen und betrogen wurde und auf den Köpfen anderer herumgetanzt wurde wie es derzeit der Fall ist.

Ach, es wurde immer gleichviel gelogen. Es gibt diesbezüglich keinen Tiefpunkt, sondern die fehlerhafte Annahme dessen, weil die Vergangenheit immer beschönigt wird.
stine hat geschrieben:Das Arbeiten an der eigenen Karriere ist längst zum Mittelpunkt des Tuns geworden, das Produkt ist ausgelagert und läuft mehr schlecht, als recht im Ausland.

Das ist ein Vorurteil, ich kann mich noch an eine Belehrung dieser Annahme in der Schule erinnern: 2 von 3 Unternehmen kommen im ersten Jahr reumütig zurück nach Deutschland.
stine hat geschrieben: Jeder kämpft für sich und lässt dabei gerne mal den Kollegen auf der Strecke links liegen. Chefs geben sich heute zwar nach außen kollegialer und man darf sie duzen, dafür fühlen sie sich aber auch nicht mehr für ihre Mitarbeiter verantwortlich und von Fairness oder gar gönnerhafter Unterstützung ist gleich gar keine Rede mehr.

Du hast ein sehr undifferenziertes Bild von der Lage und verallgemeinerst zu stark.
stine hat geschrieben:Ethik, Moral und Fairness sind nicht umsonst Fremdwörter, die man benutzen kann, deren Sinn aber längst vergessen wurde. Für mich ist das ein deutliches Zeichen eines überbevölkerten Zivilisationsgemenges.

Es ist ein nicht zu beklagender Verlust, diese Denkmodelle stückweise zu verlieren. Sie sind altmodisch, unbegründbar ohne metaphysischen Nonsens und meist sogar in konsequenter Ausprägung schädlich.
stine hat geschrieben:Immer mehr junge Menschen driften ab in Alkoholexzesse, weil sie in ihrem Leben alles bekommen außer einer überschaubaren Zukunft, die ihnen die Hoffnung gibt, sich auch nach Jahren noch zurechtfinden zu können.

Das hat nichts mit mangelnder Moral zu tun, sondern teilweise mit Perspektivlosigkeit, teilweise mit Überforderung, da die Kindheit immer weiter komprimiert wird und einige damit nicht umgehen können. Ich besitze keine Moral und habe nie (absichtlich) Ethanollösung zu mir genommen, war nur einmal (gezwungenermaßen) in einer Disco. :student:
stine hat geschrieben:Ich finde 40 Tage Campingurlaub in der Wüste ohne Handy und PC sollte für jeden Erwachsenen eine Pflichtveranstaltung werden.

Hast du das etwa schonmal gemacht? Ich bin zufällig in einer Wüsten-/Steppen-/Tundraregion geboren und es ist keineswegs empfehlenswert. Ich habe vor dem 16ten Lebensjahr schon eine Heuschreckenplage, einen Beinahe-Flugzeugabsturz und eine kleine Überschwemmung durch den ersten Regen seit Monaten erlebt, ich werde nie wieder zurückgehen, mir reichts! Also stine, ich will zwar nicht unhöflich werden, aber :fressehalten:
stine hat geschrieben:Die meisten Menschen sind hoffnungslos überladen und zugesifft mit Zivilisationsmüll und das Mitfühlen ist sowieso oft nur noch lästige Pflicht einer Erwartungshaltung aus der Vergangenheit.

Der Zivilisation überdrüssig zu sein ist ein Anzeichen von Dekadenz und Weltfremdheit. Ich weiss die Zivilisation zu schätzen, weil ich auch anderes gesehen habe.
stine hat geschrieben:Verkopfte Atheisten haben noch nicht bewiesen, dass sie den besseren Weg in ein zufriedenes Leben kennen. In Zeiten schwindender Religionskultur geht es erstmal ganz schön den Bach runter, würd ich sagen.

Wann hatten die "verkopfen Atheisten" denn schon die Gelegenheit, sich zu beweisen?? Bis jetzt habe ich entweder nur Wahnsinnige, Idealisten, Naivlinge, Blender oder Gemäßigte an der Macht gesehen.
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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon stine » Di 24. Jul 2012, 12:50

Darth Nefarius hat geschrieben:
stine hat geschrieben:Immer mehr junge Menschen driften ab in Alkoholexzesse, weil sie in ihrem Leben alles bekommen außer einer überschaubaren Zukunft, die ihnen die Hoffnung gibt, sich auch nach Jahren noch zurechtfinden zu können.

Das hat nichts mit mangelnder Moral zu tun, sondern teilweise mit Perspektivlosigkeit, teilweise mit Überforderung, da die Kindheit immer weiter komprimiert wird und einige damit nicht umgehen können.
Ich hatte auch nicht von Moral gesprochen, sondern von einer hoffnungslosen Zukunft, also auch von Perspektivlosigkeit. Merkst was?
@Darth, @Darth, @Darth, das kann noch mal schlimm enden mit dir. Widersprechen kann man nur mit Gegenargumenten. :ja:

Darth Nefarius hat geschrieben:Du hast ein sehr undifferenziertes Bild von der Lage und verallgemeinerst zu stark.
Denkst du das? Dann schau dich mal um, wenn du mit deinem Studium fertig bist. Entweder bist du bist selber ein Karriererist oder du kannst bis ans Ende deiner Tage Reagenzgläser füllen und wieder auswaschen. Talente werden heute nicht mehr bei der Arbeit entdeckt.

Darth Nefarius hat geschrieben:Der Zivilisation überdrüssig zu sein ist ein Anzeichen von Dekadenz und Weltfremdheit. Ich weiss die Zivilisation zu schätzen, weil ich auch anderes gesehen habe.
Hier müssten wir klären, was du unter Zivilisation verstehst. Zurück zum Plumpsklo möchte wohl niemand, aber ob jeder jederzeit auf eine Mail, SMS oder sonstige Kurznachricht antworten muss, die Frage stellt sich schon.
Das Laufrad dreht sich schneller und deine Generation muss es mal am Laufen halten. Viel Spaß!!!

Darth Nefarius hat geschrieben:Wann hatten die "verkopfen Atheisten" denn schon die Gelegenheit, sich zu beweisen?? Bis jetzt habe ich entweder nur Wahnsinnige, Idealisten, Naivlinge, Blender oder Gemäßigte an der Macht gesehen.
So so!
Trotz jahrelangem umfangreichen Ethikdiskurs sind wir also immer noch nicht so weit, das schwarze Loch der Religionsethik atheistisch sinnvoll zu füllen?

LG stine
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Re: Atheismus 2.0

Beitragvon Darth Nefarius » Di 24. Jul 2012, 16:36

stine hat geschrieben:Ich hatte auch nicht von Moral gesprochen, sondern von einer hoffnungslosen Zukunft, also auch von Perspektivlosigkeit. Merkst was?
@Darth, @Darth, @Darth, das kann noch mal schlimm enden mit dir. Widersprechen kann man nur mit Gegenargumenten. :ja:

Du hast das gleich nach deiner Moralpredigt geschrieben, da kann man davon ausgehen,, dass du einen kausalen Zusammenhang siehst. Ich muss aber wohl einsehen, dass du vielleicht nur wie eine alte Frau vor dich dahinplapperst, irgendwie den Faden verlierst und dich einfach ohne Zusammenhang über irgendetwas beschwehrst. Ja, ich werde künfig nachfragen, ob dies oder jenes in deinen Texten einen Zusammenhang haben soll oder einfach Geplapper ist. :mg:
stine hat geschrieben:Denkst du das? Dann schau dich mal um, wenn du mit deinem Studium fertig bist. Entweder bist du bist selber ein Karriererist oder du kannst bis ans Ende deiner Tage Reagenzgläser füllen und wieder auswaschen. Talente werden heute nicht mehr bei der Arbeit entdeckt.

Gewiss, abgesehen davon habe ich auch andere Qualitäten. Ich habe mich bis jetzt trotz der Erwartungen anderer immer durchsetzen können.
Und hast du eigentlich gelesen, in welchem Zusammenhang ich das geschrieben habe? Es ging um das Verhalten der Mitarbeiter und der Chefs. Da hast du gleich alle über einen Kamm geschert. Nicht die Zeit in der wir leben bestimmt den Umgang, sondern die Größe des Betriebs und der Anspruch der Arbeitnehmer.
stine hat geschrieben:Hier müssten wir klären, was du unter Zivilisation verstehst. Zurück zum Plumpsklo möchte wohl niemand, aber ob jeder jederzeit auf eine Mail, SMS oder sonstige Kurznachricht antworten muss, die Frage stellt sich schon.

Nein, ich rede von stabilen Gebäuden, gepflasterten Straßen, eine gute medizinische Versorgung, Verkehrsregeln, Sicherheitsbestimmungen bei Touristenattraktionen, Lebensmittelkontrolle. Alles, was ich anspreche, habe ich zu schätzen gelernt, weil es in anderen Ländern sowas auch mal nicht gibt. Und nicht die Zivilisation ist "Schuld" an SMS und co., ich habe persönlich entschieden, dass ich mich unnötigen Dingen einfach verweigere. Mails sind hingegen etwas Nötiges und Nützliches, essentiell für Kommunikation bei wissenschaftlicher Arbeit. Vielleicht bist du aber seit dem "thx" einfach frustriert, dass du manches nicht mehr verstehst? :(
stine hat geschrieben:Das Laufrad dreht sich schneller und deine Generation muss es mal am Laufen halten. Viel Spaß!!!

Man kann auch Schadenfreude entwickeln bei denjenigen, die nicht Schritt halten können. Ja, insofern macht es Spaß! :winkgrin2: Deine Argumentation sucht doch nur nach Schuld, anstatt nach Lösungen zu fragen, nach Notwendigkeiten und Kompromissen. (Denk-)Verbote sind kein probates Mittel, weil sie nicht funktionieren, genauso wird der Verbot von Konkurrenz und Fortschritt nicht aufhaltbar sein, indem wir alle Amish werden. That´s life! Du kannst den Fortschrittswillen genausowenig wie den Aufgang der Sonne wegdiskutieren.
stine hat geschrieben:Trotz jahrelangem umfangreichen Ethikdiskurs sind wir also immer noch nicht so weit, das schwarze Loch der Religionsethik atheistisch sinnvoll zu füllen?

Doch, wir brauchen nur keine Atheistenethik, es lebt sich auch nach dem Willen sehr geordnet. Der Wille braucht nur einen guten Berater: den Verstand. Wo ließt du bitte diese Schlussfolgerung raus??
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