Action Area I: Reality about Human Morality

Action Area I: Reality about Human Morality

Beitragvon Andreas Müller » So 22. Okt 2006, 20:58

Ich schlage vor, wir diskutieren die Thematik auch hier einmal:

http://www.the-brights.net/action/activities/organized/arenas/1/project.html

Frage: Wie entstehen Moral und Ethik?


Die Ergebnisse können wir ja dem Brights Net übermitteln, so viel Streberei muss sein. :wink:
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Beitragvon Max » So 22. Okt 2006, 21:21

Ich denke, sie sind sowohl angeboren, als auch erlernt.

Menschen müssen zahlreiche angeborene Charaktereigenschaften haben, da sie sonst nie soweit in der Entwicklung gekommen wären. Nur mithilfe von einem großen Reservoir angeborenen Wissens kann die spätere, durch Prägung, oder heute Erziehung, entstehende Entwicklung ein Niveau erreichen, das wir menschlich nennen.

Wir sind sozial veranlagt, weil es sich als sinnvoll für das Überleben unserer Gene erwiesen hat. Derjenige, der aus Altruismus seinen Geschwistern hilft, trägt damit zu Verbreitung seiner eigenen Gene bei.
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Beitragvon Andreas Müller » So 22. Okt 2006, 22:08

Die meisten Wissenschaftler meinen, wir haben eine Prädisposition für Moral, aber keine schon installierte Moral. Weiß man aber nicht sicher, du könntest auch Recht haben. In einem Punkt muss ich dir aber widersprechen:

angeborenen Wissens


So etwas gibt es beim Menschen nicht. Wenn man ein menschliches Baby einfach liegen lässt, ist es nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen. Es kann auch nicht z.B. schwimmen, was die meisten Tiere können und muss es erst lernen. Sicher ist, dass wir viel mehr beeinflussbar sind durch Kultur als andere Tiere. Was wir natürlich haben sind Instikte, aber selbst von denen können wir einige durch Kultur unter Kontrolle halten.

zu Verbreitung seiner eigenen Gene bei


Du spielst auf Dawkins selfish gene an. Das ist aber nicht mehr aktuell. Heute weiß man, dass Gene und Umwelt stark korrilieren, dass also ein einzelnes Gen sich keinesfalls selbst weitergeben will. Das gilt eher für den Gesamtorganismus, also in Punkto Fortpflanzung. Gene sind spezialisiert auf die Produktion bestimmter Aminosäuren, was von der Umwelt vorgegeben wird, die wollen sich nicht vererben. Das sind sozusagen kleine Maschinchen, die auf Umwelteinflüsse reagieren.
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Moral

Beitragvon Klaus » So 22. Okt 2006, 22:53

Babies können schwimmen, sie atmen sogar im embryonalen Zustand Flüssigkeit, sie verlernen es nur kurz nach der Geburt, weil es nicht mehr benötigt wird.
Alle Säugetiere müssen von der Geburt an befähigt werden sich mit der Umwelt auseinander zu setzen. Es erfolgt eine "Programmierung". Der Speicher wird für die Aufnahme von Informationen formatiert, erst dann erfolgt die Verarbeitung der Informationen in der richtigen Form. Erst dann werden moralische und ethische Aspekte wahrgenommen, und ich vermeide das Wort bewusst, weil ich meine, das auch "Tiere" eine Moral haben.
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Beitragvon Andreas Müller » Mo 23. Okt 2006, 06:00

Babies können schwimmen, sie atmen sogar im embryonalen Zustand


Ja, gut. Das schon.

Was ich meinte, war: Menschen-Kinder sind sehr viel mehr abhängig von ihren Eltern und bleiben am längsten von allen Tieren in ihrer Obhut. Sie lernen viel mehr als andere Tiere und brauchen auch viel mehr Informationen, um zu überleben. Die Kultur spielt also eine große Rolle.
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Beitragvon Max » Mo 23. Okt 2006, 12:03

Sicher ist, dass wir viel mehr beeinflussbar sind durch Kultur als andere Tiere.
Ja, aber das ist ja auch eine Form angeborenen Wissens. Ein gewisser Grad an Konformismus hat sich in der Evolution eben als sinnvoll erwiesen, deswegen sind Menschen heute so veranlagt.

Was wir natürlich haben sind Instikte, aber selbst von denen können wir einige durch Kultur unter Kontrolle halten.

Diese Beeinflussbarkeit kommt von den Genen. Das menschliche Gehirn ist anpassungsfähiger als das aller anderen Lebewesen, weil es durch die Gene so gebaut wird.
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Beitragvon HF******* » Mo 23. Okt 2006, 12:39

angeborenen Wissens


So etwas gibt es beim Menschen nicht.


Als „Wissen“ im eigentlichen Sinne wohl nicht, richtig.

Naja, aber es gibt möglicherweise einen größeren Teil angeborener Verhaltensweisen, die wir dann für moralisch bedingt halten. Möglichgerweise haben wir angeborene Verhaltensweisen, die wir selbst instinktiv als richtig ansehen und wir sie deshalb als „moralisch“ betrachten. Tatsächlich sind sie aber vielleicht angeboren:

Z. B. kümmern sich Eltern um ihren Nachwuchs. Moralisch sind sie verpflichtet, für ihre Nachkommen zu sorgen und sie nicht verhungern zu lassen. Gleichzeitig beruht diese Moral aber auch auf einer anegborenen Verhaltensweise. Anders ausgedrückt: Die Menschen, die diesen Instinkt nicht haben, sterben aus.

Natürlich ist ein großer Teil unserer Verhaltensweisen nicht genetisch bedingt, sondern erlernt. Ein Teil unserer Moral ist aber wohl auch in unseren Instinkten verankert.

Gruß
HFR
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Beitragvon Andreas Müller » Mo 23. Okt 2006, 23:10

Sieht doch so aus, als hätte Dawkins Recht. Ich muss mir unbedingt folgendes Buch besorgen, sobald ich die Rezension zu The God Delusion für den hpd fertig habe:

http://www.amazon.com/gp/product/0142003344/sr=8-5/qid=1155675148/ref=pd_bbs_5?ie=UTF8&tag2=thericharddaw-20

Groooovy!
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Angeborenes Wissen

Beitragvon Klaus » Di 24. Okt 2006, 21:48

Ich meine auch, es gibt kein angeborenes Wissen. Deshalb die lange Phase der Programmierung, sprich des Lernens, des Sehens und vieles andere.
Alles andere sind Instinkte und jede Menge Wissenslücken, aus Sicht der heutigen Wissenschaft.
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Beitragvon Max » Mi 25. Okt 2006, 12:39

Popper bezeichnet Instinkte als angeborene Theorien. Sie sind ein angeborener Lösungsversuch für Probleme. Die Probleme können uns heutzutage begegen, müssen es aber nicht. Viele Instinkte und Organe von uns sind auch überflüssig.
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Beitragvon Alexander M. » Do 26. Okt 2006, 19:03

Was sehr wichtig für das Entstehen von Moral ist, ist das Mitleid. Dieses Mitleiden existiert wirklich physisch und ist tatsächlich ein Schmerzempfinden. Ich denke dies ist durchaus eine notwendige Vorraussetzung für die Existenz von Moral und Ethik.
Die konkreten moralischen Regeln, werden jedoch anerzogen oder ab einem gewissne Punkt von moralischem Bewustsein selber edacht.
Leider machen sich jedoch zu wenige Menschen wirklich selber Gedanken über ihre Werte und übernehmen weitestgehend unreflektiert religiöse Werte.
Es ist notwendig, dass der Mensch dazu neigt, moralische Werte von außen anzunehmen, da diese das Überleben der Gesamtspezies fördern.
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Beitragvon HF******* » Mi 6. Dez 2006, 19:09

Wie entstehen denn nun Moral und Ethik, die nicht angeboren sind, sondern erlernt sind?
und:
Gibt es Umstände, die bestimmte Sitten zu Ethik oder gar Religion verfestigen?
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Beitragvon Andreas Müller » Mi 6. Dez 2006, 20:07

Wie entstehen denn nun Moral und Ethik, die nicht angeboren sind, sondern erlernt sind?


Sie sind kulturell bestimmt und werden von Autoritäten vermittelt, von Eltern, Lehrern, Politikern, Medien etc. Das funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad. Man kann die natürliche Ethik nicht unendlich pervertieren. Das Zölibat führte oft zu sexuellen Abweichungen, Pädophilie und andere schöne Sachen. Gibt ein Buch darüber, aber ich finde es jetzt nicht. Stattdessen empfehle ich das hier zum Thema Moral:http://www.amazon.de/unbeschriebene-Blatt-moderne-Leugnung-menschlichen/dp/3827005094

Gibt es Umstände, die bestimmte Sitten zu Ethik oder gar Religion verfestigen?


Klar, das war beim Judentum vor rund 3000 Jahren so. Man hat die Gepflogenheiten der Region aufgenommen und als Wort Gottes dargestellt. Ergebnis zu finden im Alten Testament.


Zum Thema natürliche Ethik schreibt Dawkins in The God Delusion. Ich fasse das in der Rezension zusammen, wenn ich denn endlich mal Zeit dafür habe.
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