Quantoren in der Logik und der Linguistik

Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon Gernot Back » Fr 3. Okt 2008, 13:31

Hallo Myron,

Gernot Back hat geschrieben:Wann der unbestimmte Artikel im Deutschen als "Quantor" und ob er überhaupt jemals auch nicht als solcher fungieren kann, habe ich dennoch selbst als linguistisch vorgebildeter Muttersprachler des Deutschen noch immer nicht genau verstanden.

Obwohl: Es soll da ja sogar Literatur zu geben:

http://www.ling.uni-potsdam.de/kurse/no ... rasen9.pdf


Myron hat geschrieben:Siehe dazu, wie es sich im Englischen verhält: http://plato.stanford.edu/entries/descriptions/#IndDes


allmählich frage ich mich, ob ich zum spannenden Thema Quantoren nicht doch einen neuen Thread aufmachen soll. Weil dieses Forum leider als Board und nicht wirklich als Forum organisiert ist (ein solches hätte eine Baumansicht, man könnte sehen, wer wem auf welchen Teilaspekt eines Themas geantwortet hat und man könnte sich auf den Bereich konzentrieren, der einen wirklich interessiert.)

Das Thema Quantoren arbeitet in mir ja nun schon seit einer knappen Woche, Außenstehende können da kaum noch nachvollziehen, wie wir beide da in Intervallen von jedem zehnten Post aufeinander Bezug nehmen.

Gut aber das ist eine Frage, die ich vielleicht noch mal im Technik-Board stelle, sonst zerfasert dieser Thread ja noch mehr.

Nun zum Thema "Quantoren". Du, Myron und vielleicht auch Qubit, in deren -euren- kleinen Streit ich mich ursprünglich eingemischt habe, ihr seid ja vielleicht durch ein vorausgehendes Philosophie-Studium vertrauter auch mit der Bild- und Bild-Notation von Quantoren und ihr könnt mir beim Verständnis helfen.

Schon an der Transferleistung, wie denn das in oben von mir verlinkten PDF-Dokument auf Seite 7 genannte Beispiel (20) analog auch in (21) in natürliche Sprache zu übersetzen wäre, scheitere ich nämlich.
http://www.ling.uni-potsdam.de/kurse/nominalphrasen/Nominalphrasen9.pdf hat geschrieben:(20) Wenn ich auf jeden Einwand einginge, würde ich niemals fertig.
a. # ∀ →
für jeden einzelnen Einwand gilt, daß ich wenn ich auf diesen Einwand eingehe, nicht
fertig werde (also: ich darf auf gar keinen Einwand eingehen, wenn ich fertig werden will)
b. → ∀
ausnahmsloses Eingehen auf alle Einwände würde mein Fertigwerden verhindern, wobei es
durchaus keinen einzelnen Einwand geben muß, dessen Berücksichtigung allein diese Folge
hätte
ABER:
(21) Wenn wir damals auf einen unscheinbaren Mann, der auf der Straße Flugblätter
verteilte, gehört hätten, wäre alles anders gekommen.
a. ∃ →
(Übersetzung?)

b. → ∃
(Übersetzung?)



Auf meine Frage, ob der unbestimmte Artikel denn auch einmal weder als Existenz- noch als All- noch als sonst irgendein "Quantor" fungieren könne, habe ich auch noch keine befriedigende Antwort gefunden.

So wird in o.g. Dokument nach der spezifischen bzw. unspezifischen Lesart von Belegsatz (17) "Ein Student von mir hat promoviert" zwar geschildert, dass "Fodor & Sag 1982" behaupten, dass es sich beim unbestimmten Artikel in der spezifischen Lesart des Satzes um keinen Quantor handele.

Aber wieso sollte es sich eigentlich ausgerechnet bei "ein Student" in der Lesart von "genau ein bestimmter Student, den ich zwar konkret im Sinne habe, dessen Identität ich hier aber nicht näher bestimmen möchte" um keinen Quantor handeln?

Sind Zahlwörter etwa nicht sogar geradezu prototypische Quantoren?

Hier noch ein paar Beispiele, anhand deren ich das Geheimnis um die Quantoren zu ergründen versuche und die mich vielleicht jetzt auch mit denen versöhnen, die meinen, ich käme zu weit vom Thema "Beweisbarkeit der Existenz von Nicht-Existentem" ab:

Wären folgende Sätze im Einzelnen (auch in jeweils unterschiedlichen Lesarten) mit oder ohne Quantoren zu analysieren und wenn ja wie (mit welchen Quantoren):

    1. Gott ist ein menschliches Hirngespinst.
    2. Gott ist allmächtig und allwissend.
    1. Ein Gott ist ein menschliches Hirngespinst.
    2. Ein Gott ist allmächtig und allwissend.
    1. Götter sind menschliche Hirngespinste.
    2. Götter sind allmächtig und allwissend.

In welchen Sätzen wäre es angemessen "Gott/Götter" in Anführungsstriche zu setzen, weil wir nicht objektsprachlich, sondern metasprachlich, als Begriff(e) darüber sprechen?

Gruß Gernot
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Re: Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon Myron » Fr 3. Okt 2008, 20:02

Gernot Back hat geschrieben:Schon an der Transferleistung, wie denn das in oben von mir verlinkten PDF-Dokument auf Seite 7 genannte Beispiel (20) analog auch in (21) in natürliche Sprache zu übersetzen wäre, scheitere ich nämlich:

(21) Wenn wir damals auf einen unscheinbaren Mann, der auf der Straße Flugblätter
verteilte, gehört hätten, wäre alles anders gekommen.
a. E ->
(Übersetzung?)

b. -> E
(Übersetzung?)


(Vorab will ich anmerken, dass ich kein Spezialist in Sachen unbestimmte Nominalphrasen bin.)

Was da oben steht, sind ja keine vollständigen prädikatenlogischen Formeln; und deswegen ist auch mir nicht klar, was genau gemeint ist.

Ich vermute Folgendes (wobei ich nicht weiß, welchen Satz ich (a) und welchen ich (b) zuordnen soll):

— "Es gab einen unscheinbaren Mann, der auf der Straße Flugblätter verteilte, und wenn wir auf ihn gehört hätten, wäre alles anders gekommen."

— "Wenn es einen unscheinbaren Mann gegeben hätte, der auf der Straße Flugblätter verteilt, und wir auf einen solchen gehört hätten, wäre alles anders gekommen."

Gernot Back hat geschrieben:Auf meine Frage, ob der unbestimmte Artikel denn auch einmal weder als Existenz- noch als All- noch als sonst irgendein "Quantor" fungieren könne, habe ich auch noch keine befriedigende Antwort gefunden.


In dem SEP-Text wird zwischen "referential uses, specific uses, definite uses, and purely existential/quantificational uses" unterschieden. Das heißt, der unbestimmte Artikel kann je nach Kontext bzw. Sprecherintention auch nichtquantifikatorisch verwendet werden.
Der maßgebliche Unterschied zwischen dem rein quantifikatorischen Gebrauch und den anderen Gebrauchsarten scheint darin zu bestehen, dass bei den letzteren "ein" stets im Sinne von "genau ein", "nur ein", "ein einziger" gebraucht wird, während dies bei ersterem nicht der Fall ist: "ein" im Sinne von "mindestens ein".

Gernot Back hat geschrieben:So wird in o.g. Dokument nach der spezifischen bzw. unspezifischen Lesart von Belegsatz (17) "Ein Student von mir hat promoviert" zwar geschildert, dass "Fodor & Sag 1982" behaupten, dass es sich beim unbestimmten Artikel in der spezifischen Lesart des Satzes um keinen Quantor handele.

Aber wieso sollte es sich eigentlich ausgerechnet bei "ein Student" in der Lesart von "genau ein bestimmter Student, den ich zwar konkret im Sinne habe, dessen Identität ich hier aber nicht näher bestimmen möchte" um keinen Quantor handeln?


Wohl deshalb, weil der Existenzquantor per definitionem "Mindestens ein" bzw. "Es gibt mindestens ein" bedeutet, und es im obigen Fall definitiv nicht um mehrere Studenten geht.
Man kann aber ganz einfach numerisch fixe Existenzquantoren einführen:

E1x(Fx) [Es gibt genau ein x, das ein F ist]
E2x(Fx) [Es gibt genau zwei x, die Fs sind]
E3x(Fx) [Es gibt genau drei x, die Fs sind]
......
Enx(Fx) [Es gibt genau n x, die Fs sind]

Gernot Back hat geschrieben:Sind Zahlwörter etwa nicht sogar geradezu prototypische Quantoren?


Zahlwörter beziehen sich auf Begriffe und geben an, wie viele Gegenstände unter ein Begriff fallen. Zum Beispiel bedeutet "Dem Begriff 'Erdmond' kommt die Zahl 1 zu" "Unter den Begriff 'Erdmond' fällt 1 Gegenstand" (denn es gibt genau einen Erdmond). Man kann auch sagen: "Der Begriff 'Erdmond' ist 1-zahlig."
(Und entsprechend bedeutet "Der Begriff F ist 0-zahlig" "Es gibt keine Fs".)

Gernot Back hat geschrieben:Wären folgende Sätze im Einzelnen (auch in jeweils unterschiedlichen Lesarten) mit oder ohne Quantoren zu analysieren und wenn ja wie (mit welchen Quantoren):

1. "Gott ist ein menschliches Hirngespinst."


Ohne Quantor, denn das ist eine normale Prädikation. Vom Gegenstand namens "Gott" wird ausgesagt, dass er unter den Begriff "menschliches Hirngespinst" fällt.

Gernot Back hat geschrieben:2. "Gott ist allmächtig und allwissend."


Wie bei (1)

Gernot Back hat geschrieben:3. "Ein Gott ist ein menschliches Hirngespinst."


Dieser Satz scheint mehrdeutig, denn er kann bedeuten (a) "Alle Götter sind menschliche Hirngespinste" oder (b) "Ein bestimmter Gott ist ein menschliches Hirngespinst (aber nicht unbedingt alle)". Kommt auf die Betonung an.

Gernot Back hat geschrieben:4. "Ein Gott ist allmächtig und allwissend."


Wie bei (3)

Gernot Back hat geschrieben:5. "Götter sind menschliche Hirngespinste."


Mit Quantor: "Alle Götter sind menschliche Hirngespinste"

Gernot Back hat geschrieben:6. "Götter sind allmächtig und allwissend."


Wie bei (5).

Gernot Back hat geschrieben:In welchen Sätzen wäre es angemessen "Gott/Götter" in Anführungsstriche zu setzen, weil wir nicht objektsprachlich, sondern metasprachlich, als Begriff(e) darüber sprechen?t


In keinem der von dir angeführten.
Es sei denn, du formulierst z.B. (6) wie folgt um:

"Die Begriffe 'Allmächtigkeit' und 'Allwissendheit' sind Teilbegriffe des Begriffs 'Gott'."
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Re: Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon Gernot Back » So 5. Okt 2008, 10:03

Hallo Myron,

Vielen Dank, der Begriff des Quantors ist mir durch deinen Beitrag klarer geworden.
Gernot Back hat geschrieben:So wird in o.g. Dokument nach der spezifischen bzw. unspezifischen Lesart von Belegsatz (17) "Ein Student von mir hat promoviert" zwar geschildert, dass "Fodor & Sag 1982" behaupten, dass es sich beim unbestimmten Artikel in der spezifischen Lesart des Satzes um keinen Quantor handele.

Aber wieso sollte es sich eigentlich ausgerechnet bei "ein Student" in der Lesart von "genau ein bestimmter Student, den ich zwar konkret im Sinne habe, dessen Identität ich hier aber nicht näher bestimmen möchte" um keinen Quantor handeln?


Myron hat geschrieben:Wohl deshalb, weil der Existenzquantor per definitionem "Mindestens ein" bzw. "Es gibt mindestens ein" bedeutet, und es im obigen Fall definitiv nicht um mehrere Studenten geht.
Man kann aber ganz einfach numerisch fixe Existenzquantoren einführen:

E1x(Fx) [Es gibt genau ein x, das ein F ist]
E2x(Fx) [Es gibt genau zwei x, die Fs sind]
E3x(Fx) [Es gibt genau drei x, die Fs sind]
......
Enx(Fx) [Es gibt genau n x, die Fs sind]


Also wäre der Behauptung von Fodor & Sag (1982) doch zu widersprechen, und man müsste sagen, dass jede Verwendung des unbestimmten Artikels logisch einen All- bzw. einen (ggf. numerisch fixierten) Existenzquantor bedeutet.

Gernot Back hat geschrieben:Wären folgende Sätze im Einzelnen (auch in jeweils unterschiedlichen Lesarten) mit oder ohne Quantoren zu analysieren und wenn ja wie (mit welchen Quantoren):

1. "Gott ist ein menschliches Hirngespinst."


Myron hat geschrieben:Ohne Quantor, denn das ist eine normale Prädikation. Vom Gegenstand namens "Gott" wird ausgesagt, dass er unter den Begriff "menschliches Hirngespinst" fällt.


Hier wäre jetzt zu klären, wie du den Begriff "Gegenstand" meinst.
Meinst du "Gegenstand" im Sinne von "Konkretum"?
Oder meinst du "Gegenstand" hier metasprachlich, weil auch Abstrakta wie etwa "Liebe" "Gegenstand" einer logischen Aussage über sie sein können?
http://de.wikipedia.org/wiki/Konkretum
http://de.wikipedia.org/wiki/Abstraktum

Gernot Back hat geschrieben:3. "Ein Gott ist ein menschliches Hirngespinst."

Myron hat geschrieben:Dieser Satz scheint mehrdeutig, denn er kann bedeuten (a) "Alle Götter sind menschliche Hirngespinste" oder (b) "Ein bestimmter Gott ist ein menschliches Hirngespinst (aber nicht unbedingt alle)". Kommt auf die Betonung an.

Gernot Back hat geschrieben:4. "Ein Gott ist allmächtig und allwissend."

Myron hat geschrieben:Wie bei (3)

Gernot Back hat geschrieben:6. "Götter sind allmächtig und allwissend."

Myron hat geschrieben:Wie bei (5).


Wenn wir die Sätze 4 und 6 jeweils in der Interpretation b quasi als Definition für jeden einzelnen aller Götter sehen, so frage ich mich, wie es bei mehreren Exemplaren dieser Spezies möglich sein soll, dass jedes einzelne angesichts seiner Artgenossen, mit denen es dann ja um Wissen und Macht konkurriert, allmächtig und allwissend ist.

Gernot Back hat geschrieben:In welchen Sätzen wäre es angemessen "Gott/Götter" in Anführungsstriche zu setzen, weil wir nicht objektsprachlich, sondern metasprachlich, als Begriff(e) darüber sprechen?


Myron hat geschrieben:In keinem der von dir angeführten.
Es sei denn, du formulierst z.B. (6) wie folgt um:

"Die Begriffe 'Allmächtigkeit' und 'Allwissendheit' sind Teilbegriffe des Begriffs 'Gott'."


Ob man in meinen Beispielsätzen Anführungsstriche setzt, hängt wohl auch davon ab, ob man in allen Aussagen, in denen (")Gott/Götter(") als Teilmenge menschlicher Hirngespinste beschrieben werden, bloß die Vorstellung von einer oder mehreren konkreten (vulgo: "leibhaftigen") Gottheiten für Hirngespinste hält oder auch deren Abstraktionen bzw. ob man auch/nur diese konkreten oder abstrakten Gottheiten selbst für Hirngespinste hält.

Auch wenn ich beides, konkrete wie abstrakte (")Götter(") für menschliche Hirngespinste halte, neige ich hier zur Setzung von Anführungszeichen; allein schon deshalb, um mich keinem Verdacht auszusetzen, ich spönne selbst Hirn!

Aber das denken spätestens jetzt bestimmt sowieso die meisten, die diese meine Ausführungen lesen. :irre:

Gruß Gernot
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Re: Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon Myron » So 5. Okt 2008, 18:09

Gernot Back hat geschrieben:Also wäre der Behauptung von Fodor & Sag (1982) doch zu widersprechen, und man müsste sagen, dass jede Verwendung des unbestimmten Artikels logisch einen All- bzw. einen (ggf. numerisch fixierten) Existenzquantor bedeutet.


Schwer zu sagen, da sich die Experten diesbezüglich uneinig sind.
Die Mehrheit scheint allerdings der Auffassung zu sein, dass unbestimmte Nominalphrasen nicht in allen möglichen Kontexten quantifikatorisch zu interpretieren sind.

Gernot Back hat geschrieben:
Myron hat geschrieben:Ohne Quantor, denn das ist eine normale Prädikation. Vom Gegenstand namens "Gott" wird ausgesagt, dass er unter den Begriff "menschliches Hirngespinst" fällt.


Hier wäre jetzt zu klären, wie du den Begriff "Gegenstand" meinst.
Meinst du "Gegenstand" im Sinne von "Konkretum"?
Oder meinst du "Gegenstand" hier metasprachlich, weil auch Abstrakta wie etwa "Liebe" "Gegenstand" einer logischen Aussage über sie sein können?


1. In der Linguistik werden die Wörter "konkret"/"Konkretum" und "abstrakt"/"Abstraktum" zur Klassifizierung von Substantiven verwendet. In der Philosophie werden sie dagegen zur ontologischen Klassifizierung von Objekten verwendet. Konkrete Objekte in letzterem Sinne sind hauptsächlich materielle, raumzeitliche Objekte, wobei auch ein transzendenter immaterieller Gott, der kausal aktiv ist, zu den ontologischen Konkreta zählt. Typische Beispiele für ontologische Abstrakta sind Zahlen, Mengen, Zeichentypen oder, je nach Auffassung, auch Begriffe.

2. Gegenstände (im fregeschen Sinn) verhalten sich zu Begriffen wie Dinge zu Eigenschaften oder Beziehungen, wobei "Ding" hier im allgemeinsten Sinne verwendet wird, sodass es sich keineswegs nur auf konkrete, materielle Objekte bezieht.
Alles, was kein Begriff, keine Eigenschaft, keine Beziehung ist, ist ein Gegenstand, ein Ding.
Ein Satz der Form "Der Gegenstand G fällt unter den Begriff B" entspricht einem Satz der Form "Das Ding D besitzt die Eigenschaft E"; und ein Satz der Form "Die Gegenstände G1, ..., Gn fallen unter den Beziehungsbegriff B" entspricht einem Satz der Form "Die Dinge D1, ..., Dn stehen zueinander in der Beziehung R".

3. Der Begriff "Gegenstand" wird manchmal auch so verwendet, dass er als Oberbegriff sowohl für Dinge als auch für Eigenschaften/Beziehungen fungiert. Frege verwendet "Gegenstand" jedoch ausschließlich für Nichteigenschaften und Nichtbeziehungen.

Missverständnisse können auftauchen, wenn man von "Aussagegegenständen" spricht, denn man kann natürlich sowohl von Dingen als auch von Eigenschaften bzw. Beziehungen etwas aussagen.
Beispiel:
"(Die) Liebe ist eine emotionale Beziehung."
Hierin bezeichnet "Liebe" kein Ding, sondern eine Beziehung; und von der Liebesbeziehung wird ausgesagt, dass sie, um es wie Frege auszudrücken, in den (zweitstufigen) Begriff "emotionale Beziehung" falle. Der Gegenstand dieser Aussage ist also kein Ding, sondern eine Beziehung; das heißt, nicht jeder Gegenstand einer Aussage ist auch ein Gegenstand im ontologischen Sinne Freges.
Mit anderen Worten, nicht jedes linguistische Subjekt ist ein ontologisches Objekt.

4. Frege unterscheidet streng zwischen dem Fallen eines Gegenstandes unter einen erststufigen Begriff und dem Fallen eines erststufigen Begriffs in einen zweitstufigen Begriff.
Das heißt, in ersterem Fall wird von einem Ding als einer Nichteigenschaft/Nichtbeziehung ausgesagt, dass es eine bestimme Eigenschaft besitze, und im letzteren Fall wird von einem Nichtding als einer Eigenschaft/Beziehung ausgesagt, dass es eine höherstufige Eigenschaft besitze.

Gernot Back hat geschrieben:Wenn wir die Sätze 4 und 6 jeweils in der Interpretation b quasi als Definition für jeden einzelnen aller Götter sehen, so frage ich mich, wie es bei mehreren Exemplaren dieser Spezies möglich sein soll, dass jedes einzelne angesichts seiner Artgenossen, mit denen es dann ja um Wissen und Macht konkurriert, allmächtig und allwissend ist.


Tja, angesichts einer solchen Fülle von superlativischen Eigenschaften scheint die alte HIGHLANDER-Weisheit zu gelten: Es kann nur einen geben.

Gernot Back hat geschrieben:Ob man in meinen Beispielsätzen Anführungsstriche setzt, hängt wohl auch davon ab, ob man in allen Aussagen, in denen (")Gott/Götter(") als Teilmenge menschlicher Hirngespinste beschrieben werden, bloß die Vorstellung von einer oder mehreren konkreten (vulgo: "leibhaftigen") Gottheiten für Hirngespinste hält oder auch deren Abstraktionen bzw. ob man auch/nur diese konkreten oder abstrakten Gottheiten selbst für Hirngespinste hält.


Also das Wort "Gott" und dessen Pluralform "Götter" sind ja keine bloßen Hirngespinste. Deren Existenz steht außer Frage. Und wenn ich von meiner oder unserer Gottesvorstellung sprechen will, dann verwende ich den Ausdruck "meine Gottesvorstellung" bzw. "unsere Gottesvorstellung", denn "Gott" ist nicht der Name irgendeiner Gottesvorstellung, sondern eines Gottes. Wenn ich sage, dass Gott nicht existiert, dann meine ich damit natürlich weder, dass das Wort "Gott" nicht existiert, noch, dass die theistische Gottesvorstellung nicht existiert.

Gernot Back hat geschrieben:Auch wenn ich beides, konkrete wie abstrakte (")Götter(") für menschliche Hirngespinste halte, neige ich hier zur Setzung von Anführungszeichen; allein schon deshalb, um mich keinem Verdacht auszusetzen, ich spönne selbst Hirn!


Der richtige Gebrauch von Anführungszeichen ist nicht so einfach, wie man zunächst denken möchte. Wenn ich metasprachlich etwas über das Wort oder den Begriff "Gott" aussagen möchte, dann sind Anführungszeichen (oder andere Kennzeichen wie <...>) zu verwenden, ansonsten nicht; es sei denn, ich gebrauche "Gott" objektsprachlich in einem übertragenen Sinn, wie in: "Kant ist mein 'Gott' unter den Philosophen" oder in "Michael Schumacher ist ein 'Gott' des Autorennsports."
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Re: Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon xander1 » Fr 10. Okt 2008, 13:14

Das was hier thematisiert wird sind theoretische Grundlagen der Informatik.
Das ist ähnlich wie Mathematik und hat mit Computern nur sehr indirekt etwas zu tun.
Es gibt eine formelle Sprache oder semiformelle Sprache.
Man modelliert bzw. abstrahiert dabei Dinge aus der Wirklichkeit und kann dies dann wie in der Mathematik beweisen.
z.B. gibt es einen gar nicht wenig umfangreichen Beweis, dass gilt: (a,b)=(c,d) <-> a=c und b=d

Allein dazu, um das zu beweisen, braucht man einigen Text. Ich finde so sollte auch Philosophie betrieben werden. Ich denke aber nicht, dass jemand den Beweis haben möchte. Man muss dabei jedenfalls von jedem Bedeutungsquäntchen zu dem nächsten springen und darf dabei nichts überspringen. Die Kunst darin ist Wirklichkeit in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Und darum geht es indirekt auch in diesem Thema. Ich wollte nur mal aufzeigen wo man da einsteigen kann, um mehr zu wissen. Man kann auch mit Mengen und geordneten Paaren arbeiten oder anderen strukturellen Gebilden und diese in eine Relation stellen.

-----------------------------------

Aber wenn es Quantoren gibt, die über die Existenz in Qantitäten Aussagen treffen, wieso soll es da nicht auch Qualoren geben, fällt mir mal spontan hierbei ein? Das wären Existenzaussagen über Existenz in qualitätiver Form. Also was für eine Art der Existenz haben wir?

z.B. gibt es die leere Menge, die Null, die Einermenge mit dem Inhalt der leeren Menge gibt es sogar. Man könnte das Spiel vervollständigen Wenn man wollte und alle relevanten ARTEN der Existenz festellen. Dabei unterscheidet man auch zwischen dem Sein und dem Seienden, was man auch mit einem inf.-tech. Klassenmodell erklären könnte. Ein anderer Philosoph hat noch das seyn erfunden.

Die getötete und neugeborene Lehre dazu ist übrigens in der Philosophie die Metaphysik. Metaphysik ist die Lehre von allem als Ganzes und von der Existenz als solche.

Das erscheint mir wenigstens in diesem Kontext erwähnenswert.
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Re: Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon xander1 » Fr 10. Okt 2008, 14:23

Schön, jetzt kann ich peinlicherweise nicht das Zeug über Informatik löschen. Ich habe gerade woanders gelesen, dass du Informatiker bist und deshalb so etwas schreibst. Ich bitte darum mein Verhalten zu entschuldigen.
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Re: Quantoren in der Logik und der Linguistik

Beitragvon Gernot Back » Sa 11. Okt 2008, 21:01

Lieber xander1,

xander1 hat geschrieben:Schön, jetzt kann ich peinlicherweise nicht das Zeug über Informatik löschen. Ich habe gerade woanders gelesen, dass du Informatiker bist und deshalb so etwas schreibst. Ich bitte darum mein Verhalten zu entschuldigen.


ich bin ja selbst mitten in einer Identitätskrise und weiß gar nicht, ob ich mich nun als Informatiker sehen soll, als der ich im Moment mein Geld verdiene, oder als M.A. phil (mit meinem Magisterabschluss in Linguistik), auch wenn ich durch meine Umschulung zum Informatikassistenten die im Verlaufe derselben zu einer Ausbildung zum "Informatiker" (jeweils staatlich geprüft,) wurde.
:lachtot:

Gruß Gernot
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